Was Frauen denken: Karriere nicht oberste Priorität

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Einer Imas-Erhebung zufolge streben Frauen zwar nach (beruflicher) Eigenständigkeit, nicht aber nach Führungspositionen. Nur mehr vier von zehn Frauen sehen den Mann als Hauptverdiener.

Wien/Duö. Was wollen Frauen? Erfolg im Beruf, Kind(er) und einen Partner, der im Haushalt und bei der Kinderbetreuung mit anpackt. Es sind diese Attribute, die im Rahmen von Gleichberechtigung und Emanzipation oft und regelmäßig zur Debatte stehen – auch am heutigen Frauentag. Aber ist das Erreichen der oben genannten Punkte wirklich das oberste Ziel der Frauen selbst?

Einer Umfrage des Instituts für Markt- und Sozialanalysen (Imas) nach trifft das nur teilweise zu – befragt wurden Frauen unter anderem explizit über ihr Selbstbildnis. Das Ergebnis: Frauen streben nach Selbstständigkeit und Gleichrangigkeit – nicht mehr und nicht weniger. Zu diesem Schluss kommt Imas-Forscher Andreas Kirschhofer vor allem nach der Auswertung folgender Ergebnisse: Zwei von zehn Frauen finden, dass sie im Beruf gleich viel oder mehr leisten müssen als Männer. Für weitere 22 Prozent ist es wichtig, eine möglichst gute Ausbildung zu haben, und lediglich 17 Prozent gaben an, dass sich Frauen für Politik interessieren sollen. „Aus den Daten geht nicht unbedingt hervor, dass Frauen nach Führungspositionen streben“, sagt Kirschhofer.

Umgekehrt gab mehr als die Hälfte der Befragten an, dass Frauen viel von Haushaltsführung verstehen (66 Prozent), sich um eine gesunde Lebensführung der Familie kümmern (61 Prozent) und dass die Familie bei Streitigkeiten zusammenhalten soll (66 Prozent). „Es sind noch sehr viele Reste eines traditionellen Frauenbildes erhalten“, sagt Kirschhofer. Die Ergebnisse bedeuten allerdings nicht, dass Frauen auf ihrem Weg zur Eigenständigkeit stehen geblieben sind. Wiederum knapp über die Hälfte der Befragten findet es wichtig, einen Beruf neben der Familie auszuüben, der ihnen gefällt.

Das Selbstverständnis der Frau geht heute über das einer Ehefrau und Mutter hinaus; Kirschhofer sieht das unter anderem als Ergebnis der 68er-Bewegung. Allerdings: „Es scheint so zu sein, dass es Frauen genügt, berufliche Selbstständigkeit zu haben.“

 

Männer sind keine Machos mehr

Die Umfrage (1084 Befragte) wurde zwar Ende 2009 durchgeführt, laut Kirschhofer haben die Ergebnisse aber nicht an Aktualität eingebüßt. Neben dem Selbstbildnis der Frauen wurde auch erhoben, wie das Idealbild des Mannes aussehen soll. Insgesamt haben Männer – aus ihrer Sicht und aus der Sicht der Frauen – das Image der „Machos“ abgelegt, heißt es in der Studie. Die Autorität in der Familie wird nicht mehr nur ihm zugeschrieben, sondern als paritätisch empfunden.

Nur mehr vier von zehn Frauen sehen den Mann als Hauptverdiener, der die Existenz der Familie sichert; jede Zweite hingegen wünscht sich, dass der Mann im Haushalt hilft. Wenn auch immer mehr Frauen Unterstützung im familiären Bereich erwarten, scheinen andere Bereiche noch wichtiger zu sein: Fast 70 Prozent der Befragten verlangen unbedingte Treue, weiters Mitgefühl, Verständnis und Höflichkeit. Und dass der Mann gesundheitsbewusst lebt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2011)