Hung Huang: Ein unnormales Leben

Zwischen Mao und Modebibel: Die chinesische Verlegerin Hung Huang hat eine ungewöhnliche Karriere hingelegt. Hung gehört zu den „öffentlichen Persönlichkeiten“ Chinas, ist Bloggerin, TV-Gast und Kolumnistin.

Peking. „Komm, stell dich her, dann schauen die Leute nicht auf mich unmodische Person“, sagt Hung Huang. Die 49-jährige Verlegerin, eine rundliche Frau in Jeans und Seglerpulli, zieht eine hübsche Designerin im Minirock ans Rednerpult – und hat die erheiterte Zuhörerschaft sofort auf ihrer Seite.

Vor einem internationalen Publikum aus Diplomatinnen und Fashion-Expertinnen berichtet Hung Huang jüngst über Chinas junge Modeszene. Sie spricht perfektes US-Englisch. Ihre Botschaft: China wird von der „Werkstatt der Welt“ zum Zentrum einer eigenen Kreativszene. Zudem bewirbt sie ihr neues Projekt: eine Boutique namens „Brand New China“ für Chinadesign in Peking.

Hung gehört zu den „öffentlichen Persönlichkeiten“ Chinas. Sie gibt Zeitschriften heraus, etwa das Modeblatt „ILook“, ist als Bloggerin, TV-Gast und Kolumnistin gefragt. Sie gehört zur Generation der „Prinzlinge“, wie die Töchter und Söhne der einstigen revolutionären Oberschicht Chinas genannt werden, deren Eltern noch an der Seite von Mao Tse-tung standen. Hungs Leben spiegelt die Wendungen der letzten Jahrzehnte wider: Die Mutter war Maos Englischdolmetsch, ihr Stiefvater Außenminister. Mit zwölf war Hung in einer Gruppe von 28 Kindern, die 1973 ins Ausland geschickt wurden, um Fremdsprachen und Verständnis für andere Kulturen zu lernen, während China abgeschottet blieb. Sie ging in New York zur Schule, kehrte 1977 heim, als ihre Eltern nach Maos Tod in Ungnade fielen und unter Hausarrest gestellt wurden.

 

Gebildet, dreimal verheiratet

Später studierte sie in den USA. Als sich China öffnete, waren gut ausgebildete Chinesen gefragt. In den 90ern gründete sie mit anderen Funktionärskindern in Peking die Unternehmensberatung „Standard International“ – und stieg schließlich ins Verlagsgeschäft ein. Nebenbei heiratete sie dreimal: einen US-Anwalt, dann den chinesischen Filmemacher Chen Kaige und später einen französischen Diplomaten. Mit ihrem derzeitigen chinesischen Partner hat sie eine Tochter. 2005 produzierte sie den Film „Perpetuum Mobile“, worin sie eine Verlegerin spielt, die drei Freundinnen einlädt, um herauszufinden, welche davon mit ihrem Mann schläft. 2007 veröffentlichte sie ihre Autobiografie unter dem Titel „Mein unnormales Leben“.

Im Interview mit einem US- Sender beklagte sie die Folgen der Zensur für China, die seit über 60 Jahren verhindere, dass sich eine freie Debatte über die Gesellschaft entwickle. Wie viele ihrer Landsleute umschifft sie in ihren Artikeln harte Polit-Themen und nimmt dafür die Seelenlage von Chinas Mittelschicht aufs Korn.

 

Gelobt seien die Mätressen

So erklärte sie in ihrem Blog jüngst ironisch, warum die vielen Zweitfrauen und Gigolos nützlich für Chinas Wirtschaft und Kultur seien: „Reiche Männer bleiben sonst auf ihren Goldhaufen sitzen“, ihre Mätressen verteilten das Geld mit dem Kauf von Luxusgütern dankenswerterweise unter den Leuten. Daher gebe es ohne sie „weniger Philosophen, Maler oder Schriftsteller“.