Seit in Nordafrika und im arabischen Raum revoltiert wird, bin ich etwas angespannt. Dort nämlich geht es nicht demokratisch legitimierten Oberhäuptern an den Kragen. Ihnen wird die Wut der Bevölkerung zum Verhängnis. Jene Unzufriedenen, die da aufbegehren, sind in der Mehrheit junge, sehr junge Männer, die ihre Gesamtsituation radikal ändern wollen (dabei muss ich immer an eine Szene aus „Schuh des Manitu“ denken, in der der Cowboy Ranger und sein Blutsbruder, der Indianer Abahachi, am Marterpfahl auf die Hinrichtung am Morgen warten und Rancher sagt: „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“), das ist – und jetzt kommt ein Einschub in der Klammer, was an sich unübersichtlich, im vorliegenden Fall aber unumgänglich ist –, der große Vorteil der Affäre Guttenberg. (Danach ist man schon ein Vorbild, wenn man überhaupt zitiert, sodass man sich nicht mehr mit gegoogelten Zitaten inhaltlich interessant machen muss, sondern sogar mit dem Verweis auf den Schuh des Manitu fein raus ist – Einschub Ende, Klammer zu).
Das alles lese ich seit Wochen interessiert, aber persönlich unbehelligt in der Zeitung, bis ich eines Morgens den Blick hebe und sie am Frühstückstisch sehe: drei sehr junge, mit ihrer Gesamtsituation chronisch unzufriedene Männer, die sich ihren Erziehungsberechtigten zweifellos nicht auswählen konnten.
Der Älteste schielt interessiert zum Politikteil und will wissen, was da eigentlich in Libyen los ist. „Keine Ahnung, irgendein Aufstand, willst du den Sportteil?“, versuche ich vom Thema abzulenken. Das Manöver gelingt. Nicht auszudenken, wenn der Dominoeffekt auch mein kleines Regime zu Hause ins Wanken brächte. Ich sollte mich aber trotzdem schon einmal um einen Platz im Exil kümmern. Man weiß ja nie . . .