Hürden für Firmen: Europäer bitte draußen bleiben

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Ob „russische Lokalisierungsinitiative“ oder „Vorrang für indische Ingenieure“: Welche Hürden Europas Firmen am Weg in die Zukunftsmärkte überwinden müssen.

Wien. Will ein europäisches Telekomunternehmen in Indien Geschäfte machen, muss es einiges auf sich nehmen. Denn Delhi verpflichtet die ausländische Konkurrenz zum Technologietransfer. Ähnliches kennt man schon aus Peking. Doch Indien geht einen Schritt weiter. Um sicherzugehen, dass nichts verloren geht, müssen die Firmen ihre Personalpolitik anpassen: Ausländische Ingenieure sind nicht erwünscht. Sie müssen durch Inder ersetzt werden.

Das ist nur einer der Stolpersteine, die europäischen Firmen in anderen Regionen der Welt in den Weg gelegt werden. Denn nicht nur mit China gibt es – zehn Jahre nach dem Beitritt des Landes zur WTO – immer noch Streit um mangelnden Patentschutz, Exportstopp von wichtigen Rohstoffen oder milliardenschwere Staatskredite an heimische Firmen. Auch andere Wachstumsregionen wollen ihren Reichtum lieber in engen Landesgrenzen halten. Noch wickelt Europa einen Großteil seines Handels innerhalb der EU ab. Doch schon 2015 findet 90Prozent des globalem Wirtschaftswachstums außerhalb der Union statt. Entsprechend groß ist der Drang der europäischen Firmen, in diesen Regionen Fuß zu fassen.

Welche Hürden sie dabei zu überwinden haben, lässt sich im ersten EU-Bericht über „Handels- und Investitionshemmnisse“ ablesen. Untersucht wurden die Beziehungen in China, Indien, Japan, Brasilien, Argentinien, Russland und den USA. Knapp die Hälfte des Warenhandels wickelte die EU 2009 mit diesen Staaten ab. Betroffen von den Handelsschranken sind Exporte von bis zu 130 Mrd. Euro.

US-Terrorangst verteuert Exporte

Die meisten Sorgen bereitet China. Geistiges Eigentum muss de facto dort gelassen werden, Energieunternehmen haben keine Chance auf Zutritt. Besonders die restriktive Rohstoffpolitik des Landes ist Brüssel ein Dorn im Auge. Das zeigte sich zuletzt, als der Quasi-Monopolist China den Export der sogenannten „seltenen Erden“, die für alle Hightech-Produkte gebraucht werden, drastisch einschränkte. 62 Prozent aller Importe in die EU waren betroffen. Doch die Reaktion aus Brüssel fiel milde aus. Ursprünglich hätte der Kampf gegen Pekings Praxis Kernstück der „EU-Rohstoffinitiative“ sein sollen. Im letzten Moment erfolgte der Rückzieher.

„Wir brauchen mehr als Dinge, die nur auf dem Papier stehen“, sagt EU-Handelskommissar Karel De Gucht in Hinblick auf laufende Verhandlungen über Freihandelsabkommen mit Indien oder Brasilien. Auch in Indien klagen die Europäer über kuriose Vorschriften für Lebensmittel und Exportstopps bei Baumwolle. Brasilien wiederum lässt seit Kurzem nur inländische Firmen bei Aufträgen zu, die „von nationalem Interesse“ sind. Zudem verteuert sich jede brasilianische Sojabohne, sobald sie in Richtung EU geschickt wird, um 35Prozent.

In Russland kritisiert der Bericht die „Lokalisierungsoffensive“, die vorsieht, dass ein bestimmter Anteil von jedem im Land verkauften Auto in Russland produziert werden muss. Auch mit dem größten Handelspartner, den USA, gibt es Probleme: Ab Juli 2012 müssen alle Container, die per Schiff ins Land kommen, aus Angst vor Terroranschlägen vor der Ankunft in den US-Häfen gescannt werden. Die Kosten für Exporteure dürften sich vervielfachen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2011)

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