„Backstage“, ein Lustspiel von William M. Downs, begeisterte das Publikum im Wiener Theater in der Walfischgasse. Die Lachmuskeln werden stark strapaziert.
Kiefermuskelkater droht, bekannte eine junge Dame in der Pause. Die Lachmuskeln des Publikums werden stark strapaziert bei „Backstage", einer Komödie des Amerikaners William M. Downs, der Hollywood-Sitcoms wie „Der Prinz von Bel Air" schrieb, bevor er ins abgelegene Wyoming ausstieg, wo er nun an der Universität unterrichtet. Downs' rund 20 Dramen werden trotzdem von Singapur bis Südafrika gespielt. Warum, das kann man bei „Backstage" gut sehen: Die Texte sind schlicht, aber nicht niveaulos, bestens gebaut, aber nicht überdreht. „Backstage" spricht ein Publikum an, das sich im hoch gestochenen Regietheater-und Comedy-Betrieb oft allein gelassen fühlt: Manchmal möchte man sich einfach bloß amüsieren, ohne viel nachzudenken, was dies oder jenes zu bedeuten hat.
Worum geht es? Eine Off-Theater-Truppe kämpft in Chicago ums Überleben und um „Hamlet". Der Chef, Gründer und Ober-Beleuchter wird von seinem Stiefvater heimgesucht, der alles besser weiß. Bei der Dernière taucht ein böser Kritiker auf, der seiner gerechten Strafe zugeführt wird. Ansonsten löst eine Pleite und Panne die andere ab. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive der „Kommandozentrale" hinter der Bühne. Der Schauspieler André Pohl, der wohl in Hunderten und aber Hunderten Kammerspiel-Komödien die Wirkung von Pointen am eigenen Leibe erprobte und 2009 in der Rotenturmstraße als Regisseur mit „Komödie im Dunkeln" von Peter Shaffer debütierte, wandelte sich in den letzten Jahren zum sensiblen Charakter-Darsteller; als solcher war er z. B. bei den Festspielen in Reichenau in Joseph Roths „Radetzkymarsch" zu erleben. Pohls Interpretation ist eine Mischung aus allem: er lässt den Schauspielern ihren Charakter, er sorgt für perfekten Sitz der Gags, er vermeidet Schenkelklopfen und bleibt streng bei trockenem Humor. Das Ergebnis ist überwiegend erfreulich.
Der beste Schauspieler im Ensemble ist Musical-Star Thomas Borchert („Tanz der Vampire"), er gibt den cholerischen, jungen Prinzipal Hammet, der seinen „Hamlet" gegen alle nur vorstellbaren Widrigkeiten, vom ausgefallenen Licht bis zum verschwundenen Totenkopf, durchziehen muss. Alexander Strobele muss nicht viel machen: Er ist der ideale Typus für den vazierenden Stiefvater, dem Treue kein Anliegen ist, der aber seinen Stiefsohn wirklich gern hat. Daniel Keberle tut etwas zu viel des Guten als schriller Statist, der schließlich die Hauptrolle übernehmen muss, weil ein Mime nach dem anderen infolge von Lebensmittelvergiftung ausfällt; im Stück. Dirk Nocker spielt einen übereifrigen, aber beschränkten Polizisten, Emese Fay ist die von allen verehrte, aber von den fortwährenden Katastrophen leicht überforderte Inspizientin.
Man könnte jetzt über diese Art „ganz normales Theater" die Nase rümpfen, tatsächlich ist es erstaunlich und rührend zu sehen, wie sehr der Spaß das Publikum packt. Mit dergleichen könnte man womöglich drei Theater in Wien leicht füllen. Ambition, Originalität ist eben auch nicht immer alles. (Vorstellungen bis 20. 4.)