Hardcore-Fasten mit Faschingskrapfen

(c) FABRY Clemens
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Tag vier der 40-tägigen Spanne zwischen Aschermittwoch und Osternacht. Mit ersten Erkenntnissen.

War es bewusste Provokation? War es Vergesslichkeit? Ignoranz? Oder pure Lust (huch!) am Genuss (huch!)? Was es jedenfalls war: zunächst doch einigermaßen frappierend, einen Mann mittleren Alters beobachten zu müssen, der ausgerechnet am Aschermittwoch bei seinem Katerfrühstück nach sichtlich durchzechter Faschingsdienstagnacht in einen Krapfen beißt.

So what? Wie das Beispiel zeigen wird, kann eine scheinbar banale Handlung zu allerlei Reflexionen führen, die nicht notwendigerweise zu nichts führen. Vielleicht musste sich der gute Mann ja auch deshalb stärken, weil er wusste, dass er einige Stunden später die kläglich kalauernden Rituale der Veranstaltungen namens „politischen Aschermittwochs“ hier und dort zu verdauen hatte. Oder aber der Faschingskrapfenverzehrer hat aus ganz und gar anderem Grund so gehandelt. Blättern wir in der aufgeschlagenen Bibel kurz weiter zur Bergpredigt: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest.“ Quellenangabe (nicht originell, aber man weiß schließlich nie, wer wo wann nach Plagiaten fahndet): Matthäus 6, 16–18. Damit die Leute nicht merken, dass man fastet... Der Faschingskrapfenverzehrer sieht sich voll rehabilitiert. Als in freier Wildbahn selten anzutreffendes Exemplar eines Hardcore-Fastenden. Nur: Wie salbt man heute sein Haar? Mit Pomade? Mit Haargel? Haarige Sache. Zweckdienliche Hinweise an unten stehende Adresse erbeten.

E-Mails an: dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2011)

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