Die neue ORF-Comedy „Schlawiner“ ist besser, als zu befürchten war.
Der Titel „Schlawiner“ ließ ja Kabarettismus der schlimmsten Sorte befürchten: überzeichnete Menschen mit absichtlich peinlichen Hemden, die absichtlich peinlich reden etc. Tatsächlich erfüllt Gerald Votava in der Rolle des Zwänglers diese Erwartung, und sein Hemdkragen sitzt sogar absichtlich schief!
Doch er bleibt ein Ausreißer in dieser überraschend nachdenklichen, wenig auf Reflexlachen orientierten Comedy. Ansonsten spielen die diversen aus Kabarett und Kleinkunst bekannten Schauspieler weder sich selbst noch Witzfiguren, sondern verwirrte Thirty-Somethings, die das Leben mit Malakofftorten, Tango und Schwiegervätern konfrontiert, mit Phänomenen also, auf die man nur mit laienhafter Improvisation reagieren kann. Genau das tun sie, entzückend sind vor allem Michael Ostrowski als chronisch überforderter Manu und Angelika Niedetzky als ebensolche Maia.
Sozusagen aus dem Off einer Imbissstube kommentiert Gregor Seberg – nicht das konkrete Geschehen, sondern das Menschsein an sich, das er aus unserer Vogel- und Sauriernatur schlüssig erklärt. Wie soll das weitergehen? Wird er die Rundmäuler in uns entdecken? Wird Maia je tanzen lernen? Wird Votava doch noch dezentere Hemden tragen?
Könnte sein, dass wir dranbleiben. Könnte sein, dass aus dieser Serie zufällig das wird, was „Mitten im Achten“ mit Gewalt werden sollte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2011)