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Internationale Märkte: Im Visier der Investoren

(c) Reed Midem
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Bei der Mipim zeigten Investoren Interesse an Polen, Tschechien und Deutschland. Weltweit betrachtet, war im Vorjahr Asien das heißeste Pflaster.

Deutsche Medien, die bei der Mipim auflagen, waren voller Jubelmeldungen. Ein breites internationales Investoreninteresse am deutschen Immobilienmarkt wurde da im Rahmen der Gewerbeimmobilienmesse, die diese Woche in Cannes über die Bühne ging, verkündet. Beim Expertenmeeting von CB Richard Ellis (CBRE) wurde bestätigt, was weitere Analysten schon im Vorfeld der Messe festgestellt haben: Die Marke Deutschland ist, was das Investmentvolumen angeht, eine Art Krisengewinner innerhalb der Branche. Hatten viele europäische Branchenvertreter im letzten Jahr noch Großbritannien ins Visier ihrer Investmenttätigkeiten genommen, standen heuer schwarz-rot-goldene Objekte im Mittelpunkt.

 

Polen im Vorteil ...

Egal ob in Deutschland, Großbritannien oder sonstwo: Die Lage eines Objekts ist natürlich nach wie vor ausschlaggebend für seine Attraktivität. Und das gilt auch für die CEE-Region. Schon im vergangenen Jahr wurden da beispielsweise Polen und Tschechien gute Zeugnisse ausgestellt. Dies ist auch der Anlass, neue Projektentwicklungen vor Ort anzudenken. „In Polen stehen viele Investitionsmittel zur Veranlagung bereit, und daher werden auch die Immobiliendeveloper aktiv. Dort, wo Projekte seinerzeit eingefroren wurden, wird nun wieder etwas realisiert,“ erklärte etwa Immofinanz-Vorstand Manfred Wiltschnigg im Rahmen der Mipim.

Diese Entwicklung bestätigt Michael Ehlmaier, der mit dem Unternehmen EHL auch ein Büro in Warschau betreibt. Er betont dabei die Nachfragesituation, was potenzielle Mieter von Flächen betrifft: „In Polen ist nicht nur das Kapital für die Entwicklung neuer Projekte da, sondern es hat auch die Büronachfrage angezogen.“

 

... Probleme in Ungarn

Das sind zwei Komponenten, die bei anderen Ostländern nicht so wirklich zusammengehen wollen. In Ungarn ist von Büroleerständen in einer Größenordnung von 20 Prozent die Rede. „Auch in Rumänien ist der Bürovermietungsmarkt noch nicht stark“, meint Ehlmaier.

Was Investitionen betrifft, gibt es für manche trotzdem Signale, wieder aktiv zu werden. Markus Neurauter, Sprecher der Geschäftsführung beim Projektentwickler Raiffeisen Evolution, wird mit seinem Unternehmen vorausschauend in den rumänischen Markt investieren: „Wir sehen die Lage dort sehr positiv und werden mit dem Bau eines Shopping-Centers beginnen. Auch einen Büroturm werden wir errichten.“ Das passiere aber nicht aus reinem Optimismus, „sondern weil wir an den Erfolg der Projekte glauben.“ Mittelfristig rechnet der Developer wieder mit einem funktionierenden Mietmarkt in dem Land.

Auch bezüglich russischer Regionen wird die Lage von einigen Fachleuten als gar nicht so schlecht eingeschätzt – vorausgesetzt, die Objekte passen. Und für Developer, die schon vor der Finanzkrise im Land engagiert waren, ist das in Zusammenhang mit der ausbleibenden Immobilienkonkurrenz Grund genug, wieder vereinzelt Projekte anzugehen.

 

Weltweite Geschäfte

Im globalen Kontext betrachtet, rechnen Experten mit einem leichten Anstieg des Immobilientransaktionsvolumens. Das Beratungsunternehmen Cushman & Wakefield etwa geht von einem Wachstum zwischen fünf und zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus und errechnet eine Marke von rund 485 Milliarden Euro für 2011. Im Vorjahr hatte sie 430 Milliarden betragen. Beliebtestes Investmentziel war Asien, wo mehr als 50 Prozent des weltweiten Transaktionsvolumens investiert wurden, auf den Plätzen folgten die USA und Großbritannien. Heuer soll Asien weiterhin im Fokus der Investoren bleiben, wie andere Experten auch sehen jene von Cushman & Wakefield besonders gute Chancen für den deutschen Markt. Ein Anstieg des Investmentvolumens um 20 Prozent scheint für sie realistisch zu sein.

Doch gute Nachrichten gibt es nicht nur für die Nachbarn, auch weiter im Norden kann man sich über positive Einschätzungen freuen. Die Immobilienhändler haben Schweden entdeckt, hieß es bei der Mipim. Die Region Stockholm beispielsweise verzeichnete zuletzt einen Anstieg bei den in Immobilien neu investierten Geldern um 365 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2011)