Was käme heraus, wenn man die Österreicher fragt, wen sie in der Regierung haben möchten? Eine Ministerriege, die sich die Sporen in der Wirtschaft, dem Sport und dem Entertainment verdient hat.
Heinz-Christian Strache als Bundeskanzler? Und eine Regierungsbank aus Unternehmern, Exsportlern, einem Entertainer, einem Kabarettisten und einem ORF-Moderator nebst Alexander Van der Bellen und Christoph Leitl - sieht so die Idealvorstellung unserer Landsleute vom idealen Kabinett aus? Ja und nein. Wir wollten einfach wissen, wen die Österreicher denn wirklich in die Regierung nehmen würden. Wir haben sie also einfach gefragt, mithilfe des Marktforschungsinstituts Mindtake - 500 Österreicherinnen und Österreicher über 16 Jahren, repräsentativ für die Gesamtbevölkerung: Wenn Sie frei entscheiden könnten, wer sollte in der Regierung sein? Bis zu fünf Ministernennungen waren erlaubt. Ungestützt, also ohne Vorlage einer Liste, sondern ganz in freier Assoziation. Und für den Bundeskanzler konnte man extra einen Lieblingskandidaten nennen. Herausgekommen ist natürlich keine Wahlprognose. Kanzler und Minister kann man in Österreich ja nicht direkt wählen - und schon gar nicht mit relativen Mehrheiten. Aber das Volk hat, wenn man das so sagen kann, seine Seele aufgetan und uns einen Blick hineinwerfen lassen.
An der Spitze: Unternehmer
Beginnen wir bei der Regierung. Die 500 Befragten haben 414 verschiedene Persönlichkeiten genannt, davon 110 mehrfach. An der Spitze: vermögende Unternehmer, nämlich Niki Lauda (35 Stimmen), Dietrich Mateschitz (30) und Hannes Androsch (28). Danach der erste „echte" Politiker: Heinz-Christian Strache (26), gefolgt von Skilegende Hermann Maier (22) und dem zweiten Berufspolitiker Alexander Van der Bellen (20). Dann Armin Assinger (18) und Alfons Haider ex aequo mit Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (12), dem bestplazierten Vertreter der Großen Koalition. Interessanterweise wurden viele Kabarettisten genannt.
Offenbar wollen viele Österreicher nicht nur, dass Kleinkunstdarsteller die Politik parodieren, sie sollen sie am besten gleich selbst machen. Am häufigsten angeführt wurde Alfred Dorfer, aber auch Josef Hader und Michael Niavarani errangen Achtungserfolge, ebenso Lukas Resetarits und Alfred Poier. Wirtschaftskapitäne sind auch auf den mittleren Plätzen gut vertreten: etwa mit Frank Stronach und Böhler-Uddeholm-CEO Claus Raidl, Baumagnat Hans-Peter Haselsteiner, Erste-Bank-Chef Andreas Treichl und Voest-General Wolfgang Eder. Der Entrepreneur gilt also doch etwas in Österreich. Der in den letzten Jahren als Unternehmer weniger aufgefallene Baumeister Richard Lugner erhielt übrigens nur vier Nominierungen, weniger als etwa André Heller, Caritas-Chef Franz Küberl oder Dr. Kurt Ostbahn. Die tatsächlichen Minister kommen kaum im Traumkabinett der Österreicher vor. Am ehesten noch Vizekanzler Josef Pröll (9) und Norbert Darabos (5). Für Maria Fekter waren nur noch zwei Befragte, ebenso für Gabriele Heinisch-Hosek und Claudia Schmied - damit ziehen sie gleich mit Elfriede Jelinek, Marianne Mendt oder Claudia Stöckl. Den amtierenden Bundeskanzler Werner Faymann würden sich fünf Befragte ins Kabinett holen. Da liegen Wolfgang Schüssel, Karl-Heinz Grasser und Ex-EU-Kommissar Franz Fischler mit jeweils sechs Nominierungen noch knapp besser im Rennen. Insgesamt haben die Befragten einen weiten Bogen durch das Promi-Feld gezogen. ORF-Moderator Armin Wolf liegt weit vorn (10), auch die Sportler Toni Innauer (9) und Felix Gottwald (der beste Aktive mit 8 Stimmen). Quantenphysiker Anton Zeilinger fehlt nicht im kollektiven Gedächtnis, auch nicht Hans Krankl und Franz Klammer. Mit Frauen schaut es eher nicht so gut aus. Unter den 20 Bestgereihten keine einzige. Dann erst kommen Barbara Stöckl, Ute Bock und Christl Stürmer. Unter den 414 nominierten sind nur 87 Frauen - und da sind Angela Merkel, Alice Schwarzer und Lady Gaga eingerechnet.
Kein Lieblingskanzler
Und nun zum Bundeskanzler. Da kommen all die Moderatoren, Kabarettisten und Sportler erst weit abgeschlagen.
Denn an der Spitze hat der Österreicher offenbar doch lieber einen erfahrenen Politiker. Und die Ratlosigkeit ist groß, 159 Befragte konnten gar keinen Lieblingskanzler nennen, viele schrieben in die vorgesehene Spalte keinen Namen, sondern beschrieben ihren Frust. Und beim Rest hat dann doch H. C. Strache mit 29 Nominierungen das Spitzenergebnis erreicht. Am besten schnitt er übrigens nicht bei den Jungen ab, sondern in der Altersklasse 30 bis 49. Straches Vorsprung ist recht deutlich, denn der zweitplatzierte Van der Bellen folgt erst mit 21 und Werner Faymann mit 17 Stimmen. Könnten ganze Familien das Amt übernehmen, so kämen die beiden Prölls mit je 14 Stimmen dem blauen Tabellenersten gefährlich nahe. Hugo Portisch ist übrigens ziemlich out. Ein einziger Befragter erinnerte sich an ihn. Damit liegt er gleichauf mit Otto Waalkes, Gustav Gans oder einem gewissen Alfred Gusenbauer.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13. März 2011)