Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Integration beginnt beim Wohnen

Gesellschaft. Eine Reihe von Bauprojekten in Wien will das interkulturelle Zusammenleben fördern.

Bei der Gemeinderatswahl im Vorjahr hat die FP in Simmering nach einem Anti-Ausländer-Wahlkampf um fast 19 Prozent zugelegt. Vor 14 Tagen präsentierte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig im Bezirk ein angesichts dieses Wahlergebnisses mutiges Projekt: die Ergebnisse des Bauträgerwettbewerbs „Interkulturelles Wohnen“. Es bringt Simmering innerhalb von drei Jahren auf den Mautner-Markhof-Gründen verteilt auf fünf Bauplätze insgesamt 748 neue Wohnungen. Sie sollen durch eine Reihe gestalterischer Maßnahmen – von Gemeinschaftsräumen und -küchen bis hin zu gemeinsam betreuten Gärten – das Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen fördern.

Die künftigen Bewohner haben zudem die Möglichkeit, Begegnungsräume ganz nach ihren Wünschen zu gestalten. Hausmanager sollen als Ansprechpartner die neuen Hausgemeinschaften unterstützen.

Ganz neu sind solche Ideen des interkulturellen Wohnens allerdings nicht. Schon vor 15 Jahren wurden Bauten mit ähnlichen Zielsetzungen in Wien errichtet und mittlerweile gehört das Thema für viele Wohnbaugesellschaften zum Alltag: „Was früher spannend und neu war, ist heute gängige Praxis“, sagt Sozialbau-Vorstand Herbert Ludl, „denn zwischen 25 und 50 Prozent der Menschen in Neubauten sind Zuwanderer.“ Konfliktpotenzial ortet Ludl, dessen Unternehmen knapp 50.000 Miet- und Eigentumswohnungen verwaltet, in der steigenden Migrantenzahl allerdings nicht.


Räume für Begegnung

Wichtig für gedeihliches Zusammenleben, findet Ludl, seien Kinderspielräume, Saunen, Schwimmbäder und andere kommunikationsfördernde Gemeinschaftseinrichtungen, damit die Menschen in Kontakt kommen und einander kennenlernen: „Wohnbauten müssen nach dem Grundsatz der sozialen Nachhaltigkeit geplant und gebaut werden“, so der Experte. Darüber hinaus organisiert die Sozialbau auch Kennenlerntreffen und andere Veranstaltungen, um die Kommunikation zu fördern. Eine weitere Rolle beim konfliktfreien interkulturellen Zusammenleben spielen Hausverwalter und Hausbetreuer, sagt Ludl: „Es muss sich eine Person vor Ort mit aller Liebe, aber auch mit aller Strenge um das Haus kümmern.“

Dass bei solchen baulichen und organisatorischen Voraussetzungen interkulturelles Wohnen weitgehend konfliktfrei abläuft, bestätigen auch andere Wohnbauträger: „Wir haben mehrere Projekte durchgeführt, sie funktionieren ganz unspektakulär gut und auch bei normalen Wohnbauten gibt es keine Probleme“, meint etwa Susanne Reppé von der Gewog. Weshalb sich die Wohnbaubranche um Integration besonders bemüht, begründet Ludl von der Sozialbau so: „Die Wohnumgebung ist einer der Orte, an denen Integration am besten gefördert werden kann.“ poz

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2011)