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Jakob Fugger: Der erste Global Player der Wirtschaft

Jakob Fugger
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Jakob Fugger (1459-1525) kam wie kaum ein anderer dem Ideal des homo oeconomicus am nächsten. Profitmaximierung stand im Vordergrund.

Anfang März titelte der Hobbyökonom "Rockefeller & Co: Wenn Gates und Buffett arm aussehen". Erklärt wurde darin, welche historische Persönlichkeiten die Milliardäre von heute arm aussehen lassen. Zahlreiche Leser haben bemäkelt, dass auf der Liste ein Name fehlte: Jakob Fugger, "der Reiche" (1459-1525). Zu recht: Fugger war der bedeutendste Bankier seiner Zeit. Er modernisierte den sogenannten Ablasshandel (Vergebung von Sünden gegen Barzahlung) und finanzierte die Rettung Europas vor den Türken. Die Bestechung von Monarchen und Päpsten war kein Tabu.

"Der Fugger-Clan kontrollierte zeitweise an die zehn Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Sie waren weit und breit die größten Grundbesitzer, wichtigsten Bankiers, vernetztesten Händler, einflussreichsten Bergbauern", schrieb auch "Die Zeit" anlässlich seines 550. Geburtstags. Als er 1525 starb, war sein "Geschäft" zwei Millionen Gulden wert. Das entspräche heute dem 1,5-fachen Vermögen von Bill Gates, schrieb "Die Presse". Sein durchschnittlicher Jahresgewinn lag irgendwo zwischen zwölf und 16 Prozent.

Fugger, der "homo oeconomicus"

Eigentlich war Jakob, der jüngste von fünf Söhnen, für ein Leben im Kloster vorgesehen. Da jedoch alle seine Brüder früh verstarben, übernahm er 1478 als 19-Jähriger die Handelsfirma seines Vaters. Diese war auf Tuchhandel spezialisiert - von Finanzgeschäften mit Fürstenhäusern war da noch nicht die Rede. Jakobs Aufstieg erfolgte rasant. Er wird Leiter der Niederlassung in Innsbruck. Ab sofort setzte er auf das richtige Pferd: Die Habsburger. Jakob finanzierte Sigismund, dem Erzherzog von Tirol, seine Kriege und seinen Lebensstil. Er gewährte ihm Kreditlinien und sicherte sie mit Silberminen ab, die er schließlich komplett übernimmt.

Fugger kam wie kaum eine andere historische Persönlichkeit dem Ideal des homo oeconomicus am nächsten. Profitmaximierung stand bei seinem Handeln stets im Vordergrund. Dabei schonte er sich selbst nicht, 12-Stunden-Arbeitstage waren Alltag. Was man damals einen "Schaffierer" nannte, würde man heute wohl einen "Workaholic" nennen.

"Handsalben" machen Fürsten gefügig

1519 half Jakob Fugger dabei, dass Karl I., Herzog von Burgund und König von Spanien, zum deutschen König und künftigen römischen Kaiser gewählt wurde. Mit hohen Bestechungssummen, auch "Handsalben" genannt, machte er die deutschen Kurfürsten dem spanischen Herrscher gewogen.

Nur ein paar Jahre später musste Karl I. seine Schuld begleichen, als die Fugger wegen Monopolvergehen verklagt wurden. Jakob erinnerte den "Allerdurchlauchigsten, großmächtigsten Römischen Kaiser" in einem Brief daran, dass er es gewesen war, der ihm für "eine treffliche Summe Geldes" seinen Thron verschafft hatte, wie "Spiegel Geschichte" berichtet. Die Klage verschwand daraufhin in der Schublade.

"Der erste Global Player der Geschichte"

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts verfügte Fugger auch über das Monopol im europäischen Kupferhandel, als Bankier der Päpste wickelte er deren Ablassgeschäfte ab. Die Handelsbeziehungen reichten über ganz Europa und Ostindien. "So ist er der erste Global Player der Wirtschaftsgeschichte", schreibt "Focus". "Niemand vor ihm besaß einen vergleichbaren multinationalen Konzern, dessen Einflussbereich sich von Osteuropa bis in die amerikanischen Minen erstreckte".