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Frankreich: Kommt nun Referendum?

Frankreich: Kommt nun Referendum?
Frankreich: Kommt nun Referendum?Frankreichs ältestes AKW Fesselheim am Rhein (c) Reuters (Vincent Kessler)
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Meisten französischen Atomkraftwerke sind seit 30 Jahren in Betrieb. Bei Alternativenergien gibt es einen Rückstand. Die Grünen fordern jetzt eine Volksabstimmung über die Atomenergie in zwei bis drei Jahren.

Paris/R.b. Mit 59 Atomreaktoren ist Frankreich nach den USA und vor Japan der größte Nuklearstromproduzent der Welt. Die Situation ist mit Japan vergleichbar: Erdölvorkommen sind rar, bei der Industrialisierung Frankreichs wurde daher stark auf die elektrische Energie gesetzt, die zu 80 Prozent aus AKW stammt.

Ähnlich wie in Japan sind die meisten Anlagen bereits ziemlich alt. Die meisten sind 30 Jahren in Betrieb; das älteste in Fessenheim sogar seit 1977.

Es war daher nicht erstaunlich, dass vor allem die Atomgegner sofort verlangt haben, dass Frankreich die Konsequenzen aus der Katastrophe in Japan ziehe. Der Grüne Daniel Cohn-Bendit fordert eine Volksabstimmung über die Atomenergie in zwei bis drei Jahren.

Die Grünen sind der Ansicht, dass der von ihnen befürwortete Ausstieg bis in 25 oder 30 Jahren realisierbar sei. Für Cohn-Bendits Parteikollegin Eva Joly ist in Japan „der Mythos der sicheren Atomenergie zusammengebrochen“, denn wie Frankreich habe Japan als sehr kompetent in dieser Technologie gegolten. Jetzt räche sich auch der Rückstand in der Entwicklung erneuerbarer Energien.

Premierminister François Fillon warnte vor voreiligen Vergleichen. Er versicherte, Frankreich habe „beim Bau und Betrieb maximalen Sicherheitsnormen die Priorität eingeräumt“.

Der Fraktionschef der Regierungspartei UMP, Jean-François Copé, meinte, es sei „unmoralisch“, aus der japanischen Tragödie innenpolitisches Kapital zu schlagen.

 

Bebensicherheit überprüft

Nach dem Erdbeben von L'Aquila in Italien hatte die nationale Katastrophenschutzbehörde verlangt, dass die französischen AKW seismische Risken verstärkt beachten. Zum Beispiel liegen das AKW Fessenheim und das Versuchszentrum von Cadarache in seismisch aktiven Zonen.

Im Dezember stand nach einer Überschwemmung das AKW Blayais in der Gironde teils unter Wasser; mehrere für die Sicherheit nötige Kreisläufe waren außer Betrieb. In der Zwischenzeit wurde immerhin ein Damm gebaut.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2011)