Das Tier im Menschen

In der Mitte ein kleiner Asiate, rundherum panische Menschen.

In der Mitte ein kleiner Asiate, rundherum panische Menschen: „Lasst die Kinder vor, lasst wenigstens die Kinder vor“, schreit eine Frau wild gestikulierend. Ein verzweifelter Mann wirft die Nerven weg: „Ich könnte die alle umbringen. Zehn Leute könnte ich mindestens umbringen.“

Der Asiate, von dem hier die Rede ist, heißt Fu Hu und arbeitet Vollzeit als Panda im Schönbrunner Zoo. Während sich Menschen in Fernost trotz schlimmster Umstände diszipliniert verhalten, sorgt in Wien also schon der Kampf um ein Panda-Foto für massive Unruhen. Vielleicht, weil der Mensch vom Affen abstammt. Also ein schneller Wechsel zum Affengehege: „Hehe, der Affe schaut genauso aus wie mein Bruder“, meint dort ein Mann. Und wiederholt die Pointe noch zehn Mal.

Laut einer US-Studie geben auch Affen für Fotos alles. „Zahlen“ konnten die Tiere mit Fruchtsaft, der gut mundete, aber gegen Fotos getauscht werden durfte. Am meisten gaben die Tiere für Bilder von weiblichen Affen-Pos und Gesichtern dominanter Männchen. Ähnlichkeiten mit Themen in menschlichen Medien sind offensichtlich. Einen Haken hat die Studie: Nicht getestet wurde, wie viel Affen für Panda-Fotos zahlen. Aber dafür machen sich wohl nur Menschen zum Affen. AICH


E-Mails an: philipp.aichinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2011)

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