Anlage: Deutsche Manager verkaufen Aktien ihrer Firmen

(c) EPA (Frank May)
  • Drucken

Directors' Dealings, also Aktientransaktionen von Unternehmensinsidern, können ein guter Indikator für die künftige Kursentwicklung an den Börsen sein. Für Österreich gilt das allerdings nur sehr eingeschränkt.

Wien/Ag./Ker. Deutschlands Unternehmensführer sind nicht mehr so optimistisch wie noch zu Jahresbeginn. Zumindest nicht, wenn man sich die Aktientransaktionen der Unternehmensinsider anschaut. Der Trend zeigt an, dass sie zuletzt und aktuell mehr Aktien ihrer eigenen Unternehmen verkaufen als kaufen.

Auch die Kursrückgänge der vergangenen Wochen (und die daher billigeren Aktien) hielten die Manager nicht zurück. Der Insider-Index, der unter anderem von der Uni Aachen berechnet wird, notiert, wie schon seit zwei Wochen, unverändert bei 90 Punkten. Dieser Wert wird gerade noch als „neutral“ angesehen. Das heißt, er lässt keine eindeutigen Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung an den deutschen Börsen zu. Aber: Den Experten der Uni Aachen zufolge ist es möglich, dass der Index bald in den „negativen Bereich“ abfallen könnte. Dann stünden die Zeichen auf einen weiteren Kursrückgang.

Kursverluste vermieden

Wenn Manager mit den Aktien ihrer eigenen Firmen handeln, nennt man das Directors' Dealings. Unter Experten sind diese Deals ein Indikator für die zukünftige Kursentwicklung einzelner Unternehmen oder ganzer Indizes. Es sind nämlich die Insider (also die Manager, Aufsichtsräte und deren Verwandte), die am besten wissen, was in ihren Firmen los ist. In Europa zeigte sich in den vergangenen Jahren, dass sich die Insider gegen den Trend verhielten, also Aktien verkauften, wenn die Kurse stiegen. Und kauften, wenn sie fielen. Damit konnten sie große Kursverluste vor allem während der Turbulenzen im Jahr 2008 vermeiden. Dabei handelt es sich freilich um europäische Statistiken.

Zum schlechten Zeitpunkt gekauft

In Österreich ist bei den Managern derzeit kein Trend zu erkennen. Kauf- und Verkaufstransaktionen der Insider halten sich laut den aktuellsten Daten der Finanzmarktaufsicht FMA die Waage. In Österreich sollten Anleger ohnehin vorsichtig sein, die Insidertransaktionen als Indikator für künftige Kursentwicklungen heranzuziehen. Die große Finanzkrise haben die heimischen Manager großteils nicht erahnt. Viele von ihnen sind kurz vor dem Kursabfall im September und Oktober 2008 eingestiegen, also zum schlechtest möglichen Zeitpunkt. „Viele Manager hatten nicht erkannt, welche Auswirkungen die Turbulenzen der Finanzwirtschaft auf die reale Wirtschaft haben würden“, sagt ein Insider zur „Presse“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2011)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.