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Kampf gegen Plagiate: Druck auf Professoren steigt

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Die Grünen wollen Zahl der Arbeiten beschränken, die FPÖ will „Nebengeschäfte“ eindämmen und die ÖVP plädiert für beschränkten Uni-Zugang, aber die SPÖ sagt dazu Nein.

Wien. Erst in der Vorwoche hatte Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) eine „Anti-Plagiats-Arbeitsgruppe“ eingerichtet. Jetzt legen die fünf Parlamentsparteien nach, vor allem die Opposition macht Druck: Dem Plagiat müsse endlich „wirkungsvoll“ der Kampf angesagt werden, sagen die Vertreter von FPÖ, BZÖ und Grünen unisono bei einem „Presse“-Rundruf. Nicht nur die Studenten, auch die Professoren sollten stärker ins Visier genommen werden.

Geht es nach dem Wissenschaftssprecher der Grünen, Kurt Grünewald, dann soll die Zahl der Dissertationen und Diplomarbeiten, die ein Professor künftig pro Jahr betreut, beschränkt werden. In der Überlastung von Professoren liege ein Grund dafür, dass es zu unsauberen Zitierungen durch Studenten komme. „Es kann nicht sein, dass ein Professor 20 Masterarbeiten und gleichzeitig zehn Dissertationen betreut, ohne flüchtig in der Beurteilung oder nachlässig in der Begleitung und Beratung der Arbeit zu sein“, sagt Grünewald.

Es dürften allerdings nicht nur Limits bei der Zahl der betreuten Arbeiten eingezogen werden. Gleichzeitig müsse das Betreuungsverhältnis verbessert werden; derzeit sei es mit durchschnittlich 113 Studenten pro Professor „katastrophal“. Was, wenn es dafür kein Extrageld vom Staat gibt? „Niemand wird zulassen können, dass sich die Zahl der Abschlüsse bei Master und Doktorat mehr als halbiert.“

ÖH-Chefin Sigrid Maurer (Grüne) befürchtet aber genau das: dass es zwar zu Begrenzungen für Professoren – und damit für die Studenten – kommt, während ein besseres Betreuungsverhältnis auf sich warten lässt. Doch nur das sei der richtige Weg: „Es braucht mehr Betreuer. Und wie viele Arbeiten genau sie betreuen, sollen sie selbst entscheiden.“

Das findet auch FPÖ-Wissenschaftssprecher Martin Graf: „Jeder Professor muss selbst entscheiden, wie viele Arbeiten er bewältigen kann.“ Besonders wichtig sei, dass „die Nebentätigkeiten der Professoren beschränkt werden und sie sich auf ihren Hauptjob konzentrieren“. Auch von Verwaltungsarbeiten sollten sie entlastet werden.

 

Bessere EDV-Programme

Eine Beschränkung der betreuten Arbeiten hält Rainer Widmann vom BZÖ für „diskussionswürdig“. Außerdem bräuchten die Professoren eine bessere Unterstützung mittels EDV. Mehrere Unis in Österreich setzen bereits spezielle Software ein – allerdings stichprobenartig. Laut Widmann sollte künftig „per Zufallsgenerator ein gewisser Prozentsatz der Abschlussarbeiten überprüft werden“. Das würde abschreckend wirken.

Für Katharina Cortolezis-Schlager, Bereichssprecherin der ÖVP, ist jetzt die Zeit gekommen, „um endlich Kapazitätsplanungen und Zugangsregelungen für die Universitäten zu bekommen“. Nur durch eine begrenzte Anzahl der Studienplätze werde man auch die notwendige Qualität erreichen. Von SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl kommt zu solchen Beschränkungen freilich ein klares „Nein“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2011)