Donnerstag spielte das Grazer Trio The Base mit Element of Crime in der Burg. Davor sprach Chef Norbert Wally über den Alltag. Ihr neuntes Studioalbum „Tested Under Extreme Conditions“ wurde veröffentlicht.
In Österreich, sagt Norbert Wally, sei es verdammt schwer, coole Siebzigerjahre-Anzüge zu bekommen, wie sie internationale Popgrößen so gern tragen. „Aber weil wir uns auch schon für unsere aktuellen Pressefotos in Schale geworfen haben, ist uns der Auftritt im Burgtheater gar nicht so zuwider. Wir nützen diese Erfahrung gleich.“
Wally, Frontman der profilierten Grazer Band The Base, lächelt versonnen, wenn er daran denkt, wie es dazu kam, dass seine durch alle Unbilden langjährigen Tourneelebens abgehärtete Band ausgerechnet auf den heiligen Planken des Burgtheaters landete: „Sven Regener von Element Of Crime und wir haben jeweils einen Song für den Soundtrack von Michael Ostrowskis Film ,Contact High‘ gespendet. Bei der Premiere spielten wir einen Überraschungsgig. Sven – schon leicht illuminiert – riss mir die Gitarre runter, umarmte mich und meinte: ,Ihr seid großartig und könnt wirklich spielen!‘ Wir sind in Kontakt geblieben und jetzt so ins Staatstheater gerutscht.“
Eben haben The Base ihr neuntes Studioalbum „Tested Under Extreme Conditions“ veröffentlicht. Es ist ihre bislang intensivste Liedersammlung. Es beginnt mit dem düsteren „Born In Devil's Motel“, einer Ballade, die wie das arithmetische Mittel aus Johnny Cash, Nick Cave und Leonard Cohen anmutet. Der Stimme Norbert Wallys hört man an, dass ihr Träger vom Leben strapaziert wurde. Auch die selbst zerfleischende Struktur vieler anderer Songs weist ihn als Melancholiker aus.
Lieder tragen Titel wie „Rainy Sunday Proof“ und „Waterproof Eyes“ und der Titel des Albums verheißt, dass es für raue Zeiten gedacht ist. „So etwas plakativ Werbemäßiges für Musik zu verwenden fand ich lustig. Tested under extreme conditions, der Titel steht uns zu. Wir haben Alltagsphänomene und Beziehungsprobleme unter diesem Aspekt betrachtet. Ein bisserl so, wie sich alte Damen in der Straßenbahn austauschen: Wie geht's? Muss gehen, aber leicht hat man's nicht.“
Das Grazer Trio, mit Albrecht Klinger am Bass, Karlheinz Miklin jr. am Schlagzeug und Wally an der Gitarre, hat sich seit den Anfängen im fernen Jahr 1989 zu einer verlässlichen Größe gemausert, dessen Musik auch internationalen Vergleichen standhält. Wally: „Wir haben öfters in London konzertiert. Das Publikum mochte uns. Obwohl ich nicht behaupten würde, dass London über uns spricht. Noch nicht.“
Was zählt, ist der emotionale Kern der Songs, der mit Vintage-Equipment eingespielt ist. „In London gibt es diese wunderbare Denmark Street, in der die Rolling Stones einst einen Übungskeller hatten. Dort sind jetzt viele Second-Hand-Instrumentengeschäfte. Daran drücken wir uns die Nasen platt.“ Die Musik, die sie mit fast antikem Gerät zaubern, ist ein Wunder an Düsternis, das dennoch Trost bereithält. Man verliert sich nicht in Details und Effekthascherei, es geht um das große Gefühl. „Wir warten auf den magischen Moment, nicht auf die perfekte Aufnahme, wo du ein Metronom dazustellen kannst.“
Es liegt nahe zu glauben, dass The Base vor allem im Winter kreativ sind. Wally bejaht: „Die Lieder schreib ich meistens im Herbst. Wenn wir dann im Spätwinter aufnehmen, haben wir alle ungefähr den gleichen Gemütszustand.“ Es sind gerade die langen Jahre auf der musikalischen Landstraße, die die Band qualifizieren: „So richtig gute Alben machen wir erst seit einigen Jahren. Wir hatten Zeit genug, um alle Fehler machen zu können, die nötig sind, um gut zu werden.“
Auf einen Blick
The Base wurde 1989 in Graz gegründet. Gerade haben Norbert Wally, Albrecht Klinger und Karlheinz Miklin jr. ihr neuntes Studioalbum veröffentlicht: „Tested Under Extreme Conditions“.
Burg in Concert: Im Rahmen der neuen Konzertschiene bittet die Burg zwei- bis dreimal pro Jahr Künstler aus dem Rock- und Pop-Bereich zu einem ungewöhnlichen Auftritt auf die Bühne.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2011)