Sven Regeners Band "Element of Crime" brachte viel Sehnsucht mit ins Burgtheater und viele Gäste - von Michael Ostrowski bis Leander Haußmann.
Von „Herzen, die wissen, wie man Sehnsucht buchstabiert“, schwärmte die naiv-schlaue Berliner Liedermacherin Maike Rosa Vogel im Burgtheater. Sie war Gast bei der Gala von Element of Crime, die einzige Frau des Abends. Sonst waren – wenn sich der Chronist nicht verzählt oder verschaut hat – 20 Männer auf der Bühne. Männer mit Herzen, die wissen, wie man Sehnsucht buchstabiert, oder zumindest bereit sind, beim Buchstabieren behilflich zu sein, mit Becken und Besen, Bünden und Bälgen. Auch Letzteres nicht nur der Alliteration zuliebe. Das Akkordeon, oft ein Instrument des Grauens, war an diesem schönen Abend in sehnsüchtiger Mission im Einsatz: als Schifferklavier – schließlich träumen Männer dann und wann auch von der See...
Im Zentrum stand natürlich Sven Regener, dieser kluge Sehnsüchtige, der seit 1985 Element of Crime leitet, jene Band, die in der besten aller möglichen Welten (BAMW) in allen Hotelbars spielen müsste, Tag und Nacht. Was sie aber dann wieder nicht könnte, denn in der BAMW hätte Regener nichts zu singen, denn dann wäre sie immer da, die Frau, deren Abwesenheit, Abschied, Abstand er in der Hälfte seiner Songs beklagt. „Ich bin jetzt immer da, wo du nicht bist“, singt er in einem Song; „immer da, wo du bist, bin ich nie“, singt er in einem anderen, und so kommen das Ich und das Du nicht zusammen.
In der BAMW gäbe es womöglich auch keine leeren Gläser und keinen Regen, keine Endstationen und kein Jammern, keine mondlosen Nächte, keine Deborah Müller, keine Kakteen und keine Metaphern. All diese Dinge gab es an diesem Abend, und nicht zu knapp. „Romantik!“, rief Regener von Zeit zu Zeit und riss die Arme hoch, nicht einmal dann war er peinlich.
Michael Ostrowski sang Spanisch
Ist Florian Horwath peinlich? Darüber kann man noch lange streiten. Dass seine Songs lieb, sehr lieb, zu lieb sind, zeigte sein Gastauftritt, inklusive des Teufelspaktsongs „Sleepyhead“. Auch „The Base“ aus Graz beschworen den Leibhaftigen: In dessen Motel sei er geboren, sang der Sänger mit grabestiefer Stimme: Harter Bursche! Immerhin tobten The Base dann noch ordentlich durch Nord- und Mittelamerika, Zweiteres mithilfe von Michael Ostrowski, der einen Song aus seinem Film, „Contact High“, mitsang, mitgrölte. Rührend.
Noch rührender war die zweite Erscheinung aus dem Reich der Medienpartnerschaften: Leander Haußmann, für dessen Film „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“ Element of Crime 2008 den Soundtrack gemacht hatten. Er blies die Mundharmonika zum Titelsong und dann in schöner Folgerichtigkeit zu Bob Dylans „It's All Over Now, Baby Blue“, das Regener sang, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, wehmütig und mit norddeutsch akzentuiertem Englisch. So, wie man halt singt, wenn man in Bremen von der See träumt oder in Berlin von der Liebe. Programmatisch auch das letzte Lied, ebenfalls eine Coverversion: „You Only Tell Me You Love Me When You're Drunk“ von den Pet Shop Boys. So manches der vielen Paare im Publikum wird wohl noch auf diesen Satz angestoßen haben, après in der NBAMW.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2011)