"Arabella": So plaudert man nur in Wien

Arabella plaudert Wien
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Ensemble und Gäste demonstrieren in der Staatsoper, wie man Richard Strauss gerecht wird.

Repertoire in der Staatsoper, das geht – seit eh und je – zuweilen schief, funktioniert meist auf erstaunlich gutem Niveau und schwingt sich hie und da sogar zur Sternstunde auf. „Arabella“ wurde eine solche zuteil.

Das liegt, man weiß es, im Falle einer Richard-Strauss-Oper zuvörderst am Orchester, das dem Wiener Haus seinen singulären Status sichert. Wo sonst realisiert man im notorisch probenarmen Musiktheater-Alltag eine dermaßen komplizierte Partitur mit einer solchen Leichtigkeit, ja Eleganz?

Strauss komponiert das letzte Stück der gemeinsamen Arbeit – anders als noch den „Rosenkavalier“ – wirklich im duftig-zarten Konversationston Hofmannsthals. Allein, das bekommt das Publikum selten zu hören, denn er tut es – wenn auch differenzierter denn je– mit seinem üblichen, großen Orchester. Das muss man spielen können!

In der Regel klingt „Arabella“, weil Strauss den Text mit einer Fülle illustrativer Details minuziös charakterisiert, beinahe so massiv wie „Elektra“. Mit Ulf Schirmer steht nun allerdings ein Dirigent am Pult, der dieses Werk offenkundig beherrscht und die Musiker dazu bringt, Spreu vom Weizen zu trennen.

Unter zartem Zuckerguss. Die großen melodischen Entwicklungen, die der Komponist gestaltet, werden in langen Bögen musiziert – die vielen Gewürze werden kaum merklich eingestreut, und das Ganze wird mit hauchdünnem, immer durchscheinendem Zuckerguss überzogen. Wenn von Blumen gesprochen wird, flechten die Holzbläser feine Girlanden, ohne die führenden Streicher zu überdecken. So ist das gemeint. Wer's nicht mag, muss in „Moses und Aron“ gehen. Dass Strauss in Wien unterm Jahr so selbstverständlich „geht“, darauf dürfen wir stolz sein.

Wenn dann die Sängerbesetzung so stimmig gerät wie diesmal, stimmt einfach alles. Man muss nicht mit großen Namen der Vergangenheit drohen, wenn Camilla Nylund wirklich ohne jede Mühe auch höchste Höhen ihrer Partie meistert. Diese souverän singende Arabella hat in Alexandra Reinprecht eine hinreißende Zdenka zur Seite, ein Bühnentemperament sondergleichen: Zuerst spielt sie den Zdenko so burschikos wie möglich, dann erscheint sie als blühende Konkurrentin ihrer großen Schwester und führt ihren Sopran im Duett auch noch so ebenmäßig wie diese ...

Die Herren, allesamt perfekt: Bo Skovhus, der beste, die heikle hohe Lage der Rolle ideal meisternde Madryka, Michael Schade ein Matteo, der eine sonst blasse Nebenfigur intensiv singend und agierend zur Hauptrolle macht, Lars Woldt ein ungemein wortdeutlicher und ohne Outrage spielender Graf Waldner – Julia Novikova feuert dazu virtuos und beinah immer im richtigen Moment die Koloratursalven der Fiakermilli ab. Das Publikum schwelgt.

„Arabella“: 21., 26., 29. März

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2011)

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