Der Philosoph, der die „Kunst des Krieges“ beschwört

Bernard-Henri Lévy hat dazu beigetragen, Präsident Nicolas Sarkozy davon zu überzeugen, dass ein Einsatz gegen Gaddafi angebracht ist.

Die Kunst der Philosophie taugt nichts, sie sei denn eine Kunst des Krieges.“ Dieser Satz steht ganz oben und groß auf der Homepage des französischen Philosophen Bernard-Henri Lévy (www.bernard-henri-levy.com). Auch das Leben eines Schriftstellers sei ein „permanent bewaffneter Zustand“, behauptete Lévy in seinem Briefwechsel mit Michel Houellebecq („Volksfeinde“), dieser reagierte kühl: „Ein Rest Ernsthaftigkeit, der sich aus meiner Kindheit herleitet, führt dazu, dass ich Kriege (Bürger- wie Religionskriege, Befreiungs- wie Eroberungskriege) für Zeitverschwendung halte.“

„Man kann reiner Schriftsteller sein, lieber Michel, und sich trotzdem zu einem Stelldichein mit der Geschichte verpflichtet fühlen“, antwortete Lévy. Solche Rendezvous mit der Geschichte sucht er immer wieder in seinem Zweitberuf als Journalist: So berichtete er aus Bosnien – und überzeugte Präsident François Mitterrand am Telefon davon, für den Nato-Einsatz gegen Serbien zu plädieren.

Nicolas Sarkozy hat er im Gegensatz zu Mitterrand nicht unterstützt, hat ihn auch öffentlich kritisiert, ist aber per Du mit dem Präsidenten, mit dem er laut Pariser Gerücht eine Maskenbildnerin teilt. Auch auf Sarkozys Kriegsgeschäfte hat Lévy eingewirkt, ebenfalls zunächst aus einer journalistischen Position: Er berichtete Anfang März aus der libyschen Rebellenzentrale in Bengasi – und von dort rief er seinen Präsidenten an. „Bist du bereit, die Aufständischen zu empfangen?“, fragte er ihn. Als Sarkozy Ja sagte, fragte Lévy nach: „Ist dir klar, dass das ein großer politischer Akt ist?“ Sarkozy bejahte auch dies. Immerhin hatte er noch vor Kurzem Gaddafi in seinem Garten zelten lassen...

Wie André Glucksmann und Pascal Bruckner, die auch zu den „nouveaux philosophes“ gezählt werden, unterschrieb Lévy dann eine Petition für einen Schlag gegen Gaddafi – einen Tag später kam der UNO-Beschluss.

Als „Duett zweier Egomanen“ beschreibt die „FAZ“ die Kooperation zwischen Sarkozy und Lévy, die „Süddeutsche Zeitung“ spricht von „Waffenbruderschaft“. Tatsächlich ist es etwa in Deutschland oder Österreich denkbar, dass die Politik derartig offen auf den Ratschlag populärer Philosophen hört.

Lévys letzter denkerischer Kampf hatte einem deutschen Philosophen gegolten: Immanuel Kant, den er in seinem Buch „De la guerre en philosophie“ u.a. „wütenden Irren des Denkens“ und „Rasenden der Begriffe“ nannte. Mag sein, dass die Tatsache, dass Kant die Schrift „Zum ewigen Frieden“ verfasst hat, dazu beigetragen hat, Lévy gegen ihn aufzubringen.

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2011)

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