Die Inflation vom Geld fernhalten

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Ein Sparbuch müsste mit 3,3 Prozent verzinst sein, damit das Geld nicht von der Inflation angeknabbert wird. Von derart hohen Sparzinsen ist man zur Zeit weit entfernt. Es gibt aber Alternativen zum Sparbuch.

Wien. Die vorwöchige Nachricht hat den Kreditnehmern sehr gefallen – für die Sparer ist es indes ein kleiner Schock. Die Inflationsrate im Februar sprang hierzulande auf drei Prozent. Sie ist damit deutlich höher, als viele Ökonomen prognostiziert hatten. Die Wirtschaftsforscher heben nun ihre Prognosen für die Jahresinflation an. Es ist bereits von 2,5 Prozent die Rede.

Inflation könnte weiter steigen

Wenn man sein Geld unter den Kopfpolster legt, sind 10.000 Euro in einem Jahr nur noch 9750 Euro wert. In drei Jahren reduziert sich die Kaufkraft auf 9280 Euro. Zu beachten ist, dass dafür eine Inflation von 2,5 Prozent angenommen wird. Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Teuerung in der Eurozone in den nächsten zwei Jahren auf drei bis vier Prozent hochschnellen könnte.

Aber zurück zur Gegenwart: Bei einer jährlichen Inflation von 2,5 Prozent müssen die 10.000 Euro in einem Jahr zu 10.250 Euro werden, damit die Kaufkraft erhalten bleibt. Ein Sparbuch müsste einen Zinssatz von 3,3 Prozent haben, damit man auf die 10.250 Euro kommt. Schließlich muss man auch die Kapitalertragsteuer von 25 Prozent abziehen. Von derart hohen Sparzinsen sind wir aber noch sehr weit entfernt. Bei täglich fälligem Geld muss man schon froh sein, bei den meisten Instituten überhaupt ein Prozent zu bekommen. Die Denizbank bietet mit 1,626 Prozent noch das attraktivste Angebot (ohne Kontoführungsgebühren und dergleichen).

Wer trotzdem aufs Sparbuch setzt, sollte sich zumindest eine Zinsstrategie zurechtlegen. Die variablen Zinsen für täglich fälliges Geld werden in diesem Jahr zwar steigen. Aber noch lange nicht derart, um veritablen Kaufkraftverlust verhindern zu können. Wer jetzt schon weiß, dass er einen gewissen Geldbetrag in den nächsten zwölf Monaten nicht ausgeben muss, sollte ihn auf ein Fixzins-Sparbuch legen. Für eine Zwölfmonatsbindung bekommt man 2,5 Prozent. Nach Ende der Laufzeit bleiben nach Abzug der Steuer rund 10.188 Euro übrig. Den Kaufkraftverlust kann man so zumindest einschränken.

Gold als Inflationsschutz?

Im Zusammenhang mit Inflation ist häufig von Gold die Rede. Physisches Gold alleine bietet aber nur bedingt Schutz vor der Teuerung. Inflationsbereinigt war Gold Anfang der 80er-Jahre deutlich mehr wert als heute. Seit 2000 ist allerdings zu beobachten, dass der nominale mit dem inflationsbereinigten Preis mithalten kann (bei abnehmendem Zinsniveau). Gold profitiert vor allem in Krisenzeiten, etwa wenn das Vertrauen in Währungen hoch verschuldeter Länder beziehungsweise Verbünde verloren geht. Dagegen drücken hohe Gebühren für die Lagerung die Rendite. Außerdem sind die Spreads (Differenz) zwischen An- und Verkaufskursen hoch. Mit sogenannten Exchange Traded Commodities (ETC) kann man diese Nachteile jedoch umgehen. Diese Indexfonds bilden den Goldpreis zu relativ günstigen Gebühren ab und sind zur Sicherheit mit dem gelben Edelmetall „hinterlegt“. Der größte ETC weltweit ist der SPDR Gold Trust (ISIN: US78463V1070).

Eines sollte den Anlegern bewusst sein: Eine einzelne Anlage dient selten als Inflationsschutz. Es kommt vielmehr auf die Mischung an. Und da sollten zu einem gewissen Anteil Aktien eine Rolle spielen. Sie sind Sachwerte, weil sie Beteiligungen an Unternehmen (also realen Vermögen) darstellen. Experten empfehlen vor allem substanzstarke Aktien als Schutz gegen die Teuerung. „Eine hohe Dividendenrendite deutet auf die Substanzstärke einer Aktie hin“, sagt Stefan Riße, Kapitalmarktexperte von CMC Markets.

Das trifft sich gut. Dividendenstarke Aktien sind derzeit billig. Warum? Für zehnjährige deutsche Bundesanleihen bekommt man eine Rendite von nur knapp über drei Prozent. Mit einem Depot bestehend aus Dividenden-Aktien aus verschiedenen Branchen und Ländern kann man derzeit leicht auf eine Dividendenrendite (Dividende mal 100 durch den Aktienkurs; stellt laufende Verzinsung von Aktien dar) von vier Prozent kommen. Wichtig ist auch die Kennzahl Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Das KBV sollte möglichst niedrig sein – höchstens etwa 1,5. Liegt der Wert bei zwei, zahlt man das Zweifache des investierten Eigenkapitals einer Firma.

Die neue Wertpapiersteuer schränkt das Potenzial für Aktien hierzulande etwas ein. Das ruft vor allem die Versicherer auf den Plan. Mit einem Einmalerlag kann man in Lebensversicherungen mit Inflationsschutz investieren. Dabei fällt keine Kapitalertragsteuer an, sondern nur die geringere Versicherungssteuer von vier Prozent. Aber: Die hohen Gebühren drücken die Rendite ordentlich. Und um die günstigere Steuer ausnutzen zu können, muss man seit dem heurigen Jahr mindestens 15 Jahre investiert bleiben.

Von steigenden Zinsen profitieren

Absehbar ist, dass die Zinsen steigen werden, da die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins demnächst anheben dürfte. Die Zinsen auf dem Geldmarkt, wo sich Banken untereinander Kredite geben, steigen bereits tendenziell stark an. An diese Zinssätze sind variabel verzinste Anleihen – sogenannte Floater – gebunden. Ein Floater der Raiffeisenbank International (ISIN: XS0597215937) zahlt etwa einen Aufschlag von 0,9 Prozent auf den Drei-Monats-Euribor, der aktuell bei 1,179 Prozent steht. Steigt der Referenzzinssatz weiter – wovon viele Experten wegen der erhöhten Inflationsgefahr ausgehen –, erhöht sich auch der Zins für die Floater. Es gibt dabei aber ein Emittentenrisiko. Geht die Bank pleite, kann das investierte Geld des Anlegers auch komplett verloren sein.

Was Sie beachten sollten bei... Schutz vor der Inflation

Tipp 1

Immobilien. Für die meisten Privatanleger kommen als Anlage vor allem Vorsorgewohnungen in Frage. Aber: Wenn man 3500 Euro pro Quadratmeter für eine Wohnung in einer nur mittelmäßigen Lage zahlen muss, wird sich die Wohnung erst in einigen Jahrzehnten rechnen. Vor allem Wien ist bei Immobilien ein sehr teures Pflaster.

Tipp 2

Sparen. Wer wirklich nur auf das Sparbuch setzen will, sollte das Geld jetzt für ein Jahr fix binden lassen (sofern das Geld in dieser Zeit nicht gebraucht wird). Die Fixzinssätze dafür sind noch deutlich attraktiver als die variablen für täglich fälliges Geld. Den Kaufkraftverlust kann man mit einer fixen Bindung auf zwölf Monate zumindest einschränken.

Tipp 3

Anleihen. Festverzinsliche Anleihen mit niedriger Rendite und langer Restlaufzeit von mehr als vier Jahren sollten in einem Umfeld von steigender Inflation eher vermieden werden. Vor allem wenn die Rendite gering ist, so wie bei deutschen oder österreichischen Staatsanleihen. Interessanter sind vielmehr variabel verzinste Anleihen.

Tipp 4

Aktien. Interessant als Schutz vor der Inflation sind auch dividendenstarke Aktien. Man kann sich derzeit leicht ein Depot aus Aktien zusammenstellen, deren Dividendenrendite bei vier Prozent liegt. Die Verzinsung ist somit deutlich höher als bei sicheren Staatsanleihen. Außerdem sind die Kurs-Buchwert-Verhältnisse in Europa noch attraktiv.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2011)

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