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Türkei kritisiert Militäreinsätze in Libyen

(c) AP (Petros Karadjias)
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Ankara kritisiert die französische Regierung für ihre führende Rolle bei den Angriffen, will aber verhindern, dass die Nato die Führungsrolle bei der Operation übernimmt. Erst sei „gründliche Planung“ nötig.

Istanbul/Keet. Die türkische Diplomatie wurde von der Libyen-Krise regelrecht überrollt: Nun versucht die Türkei, über die Nato erst einmal zu bremsen. Zwar kritisierte Ankara die französische Regierung für ihre führende Rolle bei den Angriffen. Zugleich aber will die Türkei verhindern, dass die Nato das Kommando des Libyen-Einsatzes übernimmt. Erst sei eine „gründliche Planung“ der Militäraktion nötig.

Die Türkei legt die UN-Resolution zum Schutz der Flugverbotszone über Libyen sehr eng aus. Nach Meinung der Regierung geht es nur darum, Gaddafis Luftwaffe von Einsätzen abzuhalten. Die bisherigen Angriffe zeigen aber eher eine weite Auslegung, so wurden auch Panzer auf dem Weg nach Bengasi und selbst ein Gebäude im Hauptquartier Gaddafis angegriffen.

 

Nähe zu Diktatoren

Mit dem Abgang Mubaraks hatte man in Ankara keine großen Probleme, als dann aber auch Gaddafis Macht wankte, war es anders. Während in der türkischen Öffentlichkeit wenig Sympathie für Gaddafi vorhanden war, weigerte sich Premier Tayyip Erdoğan, den ihm erst vor knapp vier Monaten verliehenen „Muammar-al-Gaddafi-Preis für Menschenrechte“ zurückzugeben. Erdoğan erklärte unter anderem, dass er den Preis zu Recht erhalten habe, und dass Libyen für türkische Firmen wichtig sei.

Allerdings greift es zu kurz, hinter der zögerlichen türkischen Haltung nur die ökonomischen Interessen in Libyen zu sehen. Die arabische Welt, in der sich die türkische Diplomatie glänzend eingerichtet hat, beginnt sich rasant zu verändern. Ankara scheint darin nur noch eine marginale Rolle zu spielen. Und nun droht die Regierung nicht nur Gaddafi zu verlieren, auch Bashar al-Asads Herrschaft in Syrien, ein enger Partner Erdoğans, wackelt. Wenig Freude hat der Premier zudem mit der instabilen Situation in den Golfmonarchien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2011)