Christian Altenburger richtet sein Festival nach allen Windrichtungen aus und konfrontiert Musik Gerd Kührs mit Schubert, Gershwin, Sibelius. Beginn des Festivals ist am Donnerstag.
Morgen, Donnerstag, beginnt die diesjährige „Loisiarte“. Rechtzeitig zum Frühlingsbeginn lockt das erste Festival ins Grüne. Es ist eines der anspruchsvollsten Festivals, die das Land zu bieten hat. Christian Altenburger, künstlerischer Leiter, erzählt, wie es dazu kam, dass im architektonisch so bemerkenswerten Loisium auch ebenso bemerkenswerte musikalische Ereignisse stattfinden: „Ich war das erste Mal 2005 im Loisium und sofort begeistert von der Atmosphäre der Räumlichkeiten, die sich hier auftun.“
Im Loisium lässt sich nämlich sowohl ebenerdig wie auch unter Tage, in einem der Weinbauregion angemessenen Kellergewölbe, musizieren. Das reizt zu besonderen Programmabläufen. Was ohne den finanziellen Rückhalt nicht möglich wäre, den der Patron seinen Künstlern gewährt: „Die Begegnung mit Gerhard Nidetzky“, sagt Altenburger, „war bestimmend für das Ganze. Denn er hat mir noch zu einer Zeit, als das Haus in Bau war, gesagt, dass er sich ein anspruchsvolles künstlerisches Programm für das Loisium wünscht.“ Mehr noch: Nidetzky hat einen Satz gesagt, den man von privaten Mäzenen kaum je zu hören bekommt: „Er wollte“, erinnert sich Altenburger, „ausdrücklich, dass zeitgenössische Musik gespielt wird.“
Leidenschaft für das Neue
Das ist ein höchst ungewöhnlicher Zugang auch für jemanden, der als Kunstsammler der Avantgarde zugetan ist. Wie oft hört das Verständnis von Menschen, die sich Schüttbilder an die Wand hängen, im Musikalischen bei Gustav Mahler auf?
„Die Verbindung der alten Keller mit einem futuristischen Würfel schafft ein Spannungsfeld, auf das man ja tatsächlich mit musikalischen Mitteln reagieren kann.“
Die Architektur des „Loisium“ war für Altenburger sogleich Inspirationsquelle: „Schon bei der ersten Besichtigung haben wir die Idee geboren, auch den großen Raum, der sich in den Kellern bietet, die sogenannte Basilika, mitzubenützen. Diese Basilika hat sich dann als akustisch ideal herausgestellt. Deshalb nutzen wir bei jedem Konzert beide Säle.“
Nicht nur Altenburger war von Anbeginn von der Atmosphäre fasziniert: „Erwin Ortner und sein Arnold Schönberg Chor sind von Anfang an dabei gewesen. Ortner war so begeistert, dass er hier – nicht zuletzt aufgrund der räumlichen Gegebenheiten – Dinge realisieren kann, die anderswo gar nicht möglich sind. An einem der Abende hat Ortner innerhalb des gewählten Mottos freie Hand bei der Programmierung.“
Das Verbindende, die Harmonie zwischen den Spielstätten, zwischen den musikalischen Epochen, zwischen Sprache und Klang, zwischen den Elementen soll sich auch stets in den Programmen widerspiegeln. Als Vertreter unserer Zeit fungiert nach Meistern wie Krzysztof Penderecki heuer der österreichische Komponist Gerd Kühr, der an allen vier Abenden des Festivals präsent sein wird. Alle vier Himmelsrichtungen erobert man sich akustisch vom 24. bis 27. März, jeweils ausgehend von einem Werk des „Composer in Residence“.
Musik aus allen Himmelsrichtungen
Nach Osten geht es morgen, Donnerstag, wenn ein von Festival-Chef Altenburger angeführtes Ensemble Franz Schuberts tiefes Streichquintett mit einer Novität namens „Con Sordino“ aus Kührs Feder konfrontiert. Mit Höhepunkten aus George Gershwins „Porgy and Bess“ in einer Instrumentalfassung geht es am Freitag gen Westen (kombiniert mit Kührs „Trialog“). Den Süden repräsentiert am Samstag Heitor Villa-Lobos mit zwei seiner „Bachianas Brasileiras“, von Gerd Kühr erklingt ein Werk für Flöte und Klavier.
Zum Finale musizieren Altenburger und der philharmonische Solo-Cellist Franz Bartolomey mit Erwin Ortners Schönberg Chor ausgewählte Chormusik der nordischen Meister Grieg und Sibelius sowie Stücke von Kühr, dessen Studenten bei der Loisiarte ebenfalls präsent sein werden: Auch die Harmonie zwischen den Generationen ist gefragt: Kompositionen von Americ Goh, Christof Ressi und Jon Deak werden im Rahmen der Festkonzerte uraufgeführt.
Info: www.loisiarte.at
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2011)