MAK-Kuratorium berät heute, Mittwoch, den Fall Peter Noever

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Die Wirtschaftsprüfer PwC präsentieren dem Kuratorium des Wiener Museums für angewandte Kunst ihren Abschlussbericht. Es geht um die Vorwürfe gegen Noever, konkret um Dienstreisen nach Los Angeles.

Peter Noever polarisiert auch nach seinem Abgang, was kein Wunder ist, hat er doch am meisten für die Künstler getan. Bei der Pressekonferenz zu seiner Ausstellung „Schöner Wohnen“ bedankte sich Erwin Wurm mit großer Geste bei dem im Februar zurückgetretenen Direktor des Museums für angewandte Kunst (MAK), der nicht anwesend war und bekam viel Applaus: Es werde versucht, Noevers Arbeit „schlechtzumachen“, so Wurm.

Andere sehen das ganz anders: „Erst ging es um 1000 Euro, dann um 130.000 Euro, jetzt sind es 200.000Euro, vielleicht ist es aber auch mehr. Ich verstehe nicht, warum Noever derart mit Samthandschuhen angefasst wird,“ erklärte Dienstag MAK-Betriebsratsvorsitzender Georg Mayer: „Noever hat Rechnungen gefälscht. In anderen Museen werden Aufseher dafür fristlos entlassen, dass sie ein Bild einen Zentimeter zu hoch oder zu tief gehängt haben. Mich als Betriebsrat ärgert diese Doppelmoral – und zwar sehr.“

Kultursprecher Zinggl: „Vertuschung?“

Das MAK kommt nicht zur Ruhe. Heute Mittwoch wird der Endbericht der Wirtschaftsprüfer PwC (PricewaterhouseCoopers GmbH) dem Kuratorium präsentiert. Es geht um die Vorwürfe gegen Noever, konkret um Dienstreisen nach Los Angeles, Geburtstagsfeste für seine Mutter, Limousinenservice etc. Um tätige Reue zu üben, hat Noever auf einem Treuhandkonto 200.000, anderen Angaben zufolge 220.000 Euro, deponiert, nachdem das Kuratorium unter dem Vorsitz von Erste-Bank-Generaldirektor Andreas Treichl der Staatsanwaltschaft Wien eine Sachverhaltsdarstellung übermittelt hatte. Auch der Rechnungshof soll das MAK prüfen. Die Grünen haben im Parlament einen Antrag eingebracht: „Mich wundert, dass nichts passiert“, sagt Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl und vermutet: „Vertuschung.“

Sollten, wie manche im MAK glauben, die verlorenen Summen höher sein als das, was Noever auf dem Treuhandkonto hinterlegt hat, wäre die tätige Reue hinfällig. In „News“ empfahl Kulturministerin Claudia Schmied Noever jüngst, eine außergerichtliche Einigung anzustreben. Schmied hatte für die Aktionen des von ihr lange unterstützten Direktors zuletzt deutliche Worte gewählt, sie sprach von „Malversationen“ und „betrügerischen Handlungen“. Noever war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, auch nicht sein Anwalt.

Für die MAK-Direktion – die Bewerbungsfrist endete am 6.März 2011 – gibt es 58Bewerbungen (27Frauen, 31Männer), ein gutes Drittel davon kommt aus dem Ausland. Schmied will ihre Entscheidung bis zum Sommer bekannt geben. bp

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2011)

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