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Liz Taylor: Die Diva der Leinwandzeit ist tot

(c) REUTERS (FRED PROUSER)
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Naturtalent und faszinierende Charakterdarstellerin, exzessive Lebefrau und berauschende Schönheit: Die große US-Schauspielerin Liz Taylor ist 79-jährig in einem Krankenhaus in LA an Herzversagen gestorben.

Sie war der Inbegriff von Hollywood-Glamour: Elizabeth Taylor, die Generationen von Kinogehern in den Bann schlug, während ihr turbulentes Privatleben für noch mehr Schlagzeilen sorgte, ist am Mittwoch 79-jährig an Herzversagen gestorben. Ihre Agentin versicherte, sie sei „friedlich“ im Kreise ihrer Familie entschlafen.

Zeitlebens stand Taylor im Rampenlicht: 1932 wurde sie in London geboren, ihre aus den USA stammenden Eltern – ein Kunsthändler und eine Schauspielerin – schickten sie bereits mit drei Jahren zum Ballettunterricht, mit sieben zog sie mit der Familie nach Kalifornien, mit neun bekam sie einen Hollywood-Vertrag. Die Filme Lassie, komm zurück (1943) und die Pferdesaga National Velvet („Kleines Mädchen, großes Herz“, 1944) machten sie zum Kinderstar. „Sie ist so berauschend schön“, schrieb James Agee, „dass ich nicht weiß und es mir auch egal ist, ob sie schauspielern kann oder nicht.“

Tatsächlich, als Schauspielerin war Taylor ein Naturtalent, absolvierte nie eine Ausbildung, agierte rein intuitiv. „Ich versuche den größtmöglichen emotionalen Effekt mit einem Minimum an visueller Bewegung zu erzeugen“, erklärte sie. Bei MGM nannte man sie „One-Shot-Liz“, weil sie schon beim ersten Take die Aufgabe perfekt meisterte.

Durchbruch: „Ein Platz an der Sonne“

Ihr makellos symmetrisches Gesicht machte sie besonders fotogen: Kameraleute versicherten, es sei unmöglich, einen Einstellungswinkel zu finden, unter dem sie nicht gut aussah. Obwohl sie früh beträchtlichen Sex-Appeal besaß, war der Übergang zur „Leading Lady“ nicht einfach. Gescheiterte Versuche, andere Teen-Stars als erwachsene Schauspielerinnen zu etablieren, ließen das Studio zögern. Dann kam 1951 die Dreiser-Verfilmung Ein Platz an der Sonne, für die sie an Paramount ausgeliehen wurde: Für die sympathische Darstellung einer Verführerin aus gutem Haus wurde sie endlich als ernsthafte Schauspielerin anerkannt. Bei MGM wurde sie aber noch immer nicht unter die wichtigsten Talente gereiht, daher auch nicht so abgeschirmt wie etwa Grace Kelly: Die erste von acht Ehen trug Taylor die ersten jener Klatschspaltengeschichten ein, die ihr Leben begleiten sollten. Ihre schauspielerischen Erfolge in vielschichtigeren Rollen – den Oscar-Nominierungen für die Südstaaten-Saga Im Land des Regenbaums (1957) und die Tennessee-Williams-Adaption Die Katze auf dem heißen Blechdach (1958) folgte schließlich der Sieg für das Melodram Telefon Butterfield 8 (1960) – wurden bald von einer Beziehung überschattet: Die Dreharbeiten zum Monumental-Flop Kleopatra (1963) brachten sie mit Richard Burton zusammen, mit dem sie zweimal hintereinander eine Ehe schloss. Als „Dickenliz“ war das Paar mit seinem exzessiven Lebenswandel Dauerthema der (Regenbogen-)Presse. Ihre alkoholgetränkten Rededuelle in der Albee-Verfilmung Wer hat Angst vor Virginia Woolf (1966) wurden als autobiografisch interpretiert, entsprechend dem Diktum des Kleopatra-Regisseurs Joseph L. Mankiewicz: „Das Leben war für sie eine Art Schauspielerei.“ Taylor lebe „in Leinwandzeit“.

So endete ihre eigentliche Schauspielkarriere bald nach dem zweiten Oscar für Virginia Woolf: Sie wurde auf den Typ der Kratzbürstigen festgelegt, ab Mitte der 1970er hatte sie nur noch gelegentliche Gastauftritte. In den Schlagzeilen blieb die Liebhaberin aufdringlicher Juwelen – „Ich weiß, ich bin vulgär“, versicherte sie ihren Fans, „aber würdet ihr mich anders wollen?“ – durch ihre Ehen, ihr Engagement gegen Aids und für Michael Jackson, durch Klinikaufenthalte. Angebote, eine Autobiografie zu schreiben, lehnte sie mit typischem Elan ab: „Nein, zum Teufel: Meine Memoiren lebe ich noch.“

Die Ehen der Liz Taylor

Sieben Männer hat Liz Taylor geheiratet: Mit dem Hotelerben Nicky Hilton (Heirat: 1950, Scheidung: 1951) lernte sie den Luxus kennen. Michael Wilding (1952–57) schenkte sie zwei Söhne (Michael, * 1953; Christopher, * 1955). Michael Todd, den sie 1957 heiratete, verlor sie 1958 bei einem Flugzeugabsturz. Noch während sie mit Sänger Eddie Fisher verheiratet war (1959–64), begann sie eine Affäre mit Richard Burton, den sie zweimal heiratete (1964–74, 1975–76). Gegen Ende ihrer Karriere war Taylor mit Politiker John Warner verheiratet (1976–82), zuletzt mit dem 20Jahre jüngeren Larry Fortensky (1991–95).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2011)