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Netzwerk: Meinl-Gutachter in neuem Licht

(c) APA (Barbara Gindl)
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Strasser arbeitete für die Agentur Hochegger, die Meinl-Gegner beriet. Hat er auch die Bestellung von Meinl-Gutachter Havranek entriert? Meinl-Bank-Vorstand Weinzierl will Sachverhaltsdarstellung übermitteln.

Wien. Was hat die Causa Strasser mit der Causa Meinl zu tun? Indirekt jede Menge – das meint zumindest Meinl-Bank-Vorstand Peter Weinzierl. Er will nun, wie er gestern der „Presse“ erklärt hat, eine Sachverhaltsdarstellung an die Korruptionsstaatsanwaltschaft übermitteln. „Und wir haben die Hoffnung, dass diese nicht einfach im Justizsystem begraben wird“, wie Weinzierl formuliert.

In der Sachverhaltsdarstellung geht es um die Bestellung des Wirtschaftstreuhänders Thomas Havranek zum Meinl-Gutachter. Im Jahre 2008 hatte die Staatsanwaltschaft den damals 39-Jährigen mit der Aufgabe betraut, Licht ins Dunkel der reichlich verworrenen Causa Meinl zu bringen – die immerhin dazu geführt hatte, dass zahlreiche Anleger um jede Menge Geld gebracht wurden. Weinzierl: „Wir haben uns immer darüber gewundert, warum ausgerechnet Havranek den Auftrag bekam. Immerhin war er als Gutachter eher unbekannt, und von der Qualifikation her war er dafür auch nicht gerade prädestiniert.“

 

Netzwerk Strasser/Havranek/Hochegger?

Die Affäre rund um den mittlerweile zurückgetretenen EU-Parlamentarier Ernst Strasser hat Weinzierl nun einen entscheidenden Denkanstoß geliefert. Er argwöhnt jedenfalls: Ist die Bestellung Havraneks zum Meinl-Gutachter über Vermittlung Strassers zustande gekommen? Sollte sich dieser Verdacht erhärten lassen, dann würde dies jedenfalls ein schlechtes Licht auf die notwendige Unvoreingenommenheit des Gutachters werfen.

Thomas Havranek ist mit Ernst Strasser geschäftlich verbunden: Seit Jahren halten beide Anteile an der CIN Consult Unternehmensberatungs GmbH. Havranek besitzt 67,5Prozent der Anteile, Strasser (noch) zehn Prozent. Strasser wird seine CIN-Anteile aufgrund der Brüsseler Lobbyingaffäre an Havranek übergeben, aber das ist eine andere Geschichte.

Strasser hatte allerdings – wie sich erst kürzlich herausstellte – erwiesenermaßen auch Geschäftsbeziehungen zur PR- und Lobbyingagentur Hochegger: Dank eines Vertrages, der der „Presse“ vorliegt, lukrierte Strasser ab dem Jahr 2006 50.000 Euro jährlich durch die Agentur – für nicht näher definierte Beratungstätigkeiten. Interessant ist aber in dem Zusammenhang, dass just die Agentur Hochegger für einen Hedgefonds arbeitete, der gegen Meinl zu Felde zog.

Weinzierl will dieses Netzwerk nun in seiner Sachverhaltsdarstellung aufzeigen. „Auch wenn uns wieder einmal ein ,obskures Ablenkungsmanöver‘ vorgeworfen werden wird“, wie er sagt. Ob er damit eine Wende in der Causa Meinl in die Wege leiten wird, ist allerdings fraglich. Immerhin ist Havranek schon im Sommer 2009 wegen Befangenheit abberufen worden, weil er zuvor einen Meinl-kritischen Kommentar in einer Zeitung veröffentlicht hatte. Mittlerweile ist Fritz Kleiner, der unter den Gutachtern als echte Kapazität gilt, mit der Angelegenheit betraut worden.

Allerdings: Aufgrund des Havranek-Vorgutachtens wurde Julius Meinl 2009 in Haft genommen und gegen eine Kaution in Höhe von 100 Mio. Euro freigelassen. Über den Meinl-Antrag, die Kaution zurückzuerstatten, ist vom Gericht immer noch nicht entschieden worden.

 

728.000 Euro Honorarforderung

Offen ist auch, wie viel Honorar Havranek erhält. Für das 25-seitige, im Frühjahr 2009 fertig gestellte und teilweise fehlerhafte Gutachten hatte er 728.000 Euro verlangt. „Ich habe noch nichts bekommen“, sagte er gestern der „Presse“.

Im Übrigen weist er den Verdacht Weinzierls zurück. Havranek: „Ich kenne Hochegger nicht, und Strasser hat mit der seinerzeitigen Auftragserteilung an mich nichts zu tun. Das ist völlig aus der Luft gegriffen.“ Er habe zehn Jahre Erfahrung im Bereich der Corporate Governance, und deshalb habe er 2008 den Auftrag für das Meinl-Gutachten erhalten. SEITE 9

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2011)