Schnellauswahl

Liz Taylor: Toter schrieb Nachruf in der "New York Times"

Taylor Nachruf Totem York
Elizabeth Taylor 1953(c) EPA (STR)
  • Drucken

Die wichtigste Tageszeitung der USA würdigte Elizabeth Taylor als "strahlende Spitze des Hollywood-Glamours". Der Autor des Nachrufes starb mehr als fünf Jahre vor der Schauspielerin.

Ganz überraschend kam der Tod der großen Schauspiel-Diva Elisabeth Taylor, die mit 79 Jahren am 23. März verstarb, nicht: Die Gesundheit der Hollywood-Legende war seit Jahren angeschlagen. Mitte der Neunziger wurde ihr ein Hirntumor entfernt, sie musste wegen Hautkrebs behandelt werden, ihre beide Hüften wurden ersetzt. Das alles hatte sie überlebt - und überraschenderweise auch ihren Nachrufschreiber in der "New York Times". Der Theaterkritiker Mel Gussow, der Taylor in der aktuellen Ausgabe der Zeitung als "strahlende Spitze des Hollywood-Glamours" würdigt, starb bereits vor fast sechs Jahren.

Dass Zeitungen Nachrufe von berühmten Persönlichkeiten schon zu Lebzeiten in Auftrag geben, ist nichts Neues. Unglücklich ist allerdings, wenn der Autor der Zeilen vor demjenigen stirbt, über den er schrieb. Die US-Medienbranche machte sich jedenfalls über die "New York Times" lustig. Die US-Zeitung reagierte prompt und ergänzte den Nachruf: "Mel Gussow starb 2005. William McDonald, William Grimes und Daniel E. Slotnik brachten den Text auf den neuesten Stand."

Text zu gut, um ihn wegzuwerfen

Wieso man keinen neuen Text geschrieben habe, erklärte der Leiter der Nachrufe-Abteilung der "New York Times", Bill McDonald, gegenüber dem "Wall Street Journal" damit, dass Gussows Arbeit einfach zu gut war, um sie wegzuwerfen.

Theaterkritiker Gussow ist aber nicht der einzige, von dem ein Nachruf posthum erscheint: Bob Hope starb 2003. Die Würdigung auf sein Leben war von Filmkritiker Vincent Canby verfasst worden, der bereits 2000 gestorben war.

Gussow starb mit 71 Jahren an Krebs. Der war 35 Jahre lang für die "New York Times" tätig und arbeitete bis kurz vor seinem Tod im April 2005. 

(her)