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Fall Kampusch: Aktenteile veröffentlicht

Kampusch Aktenteile offentlich
Archivbild: Natascha Kampusch(c) dapd (Markus Leodolter/ap)
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Die Behörden ermitteln gegen Staatsanwälte wegen des Verdachts auf Pflichtverletzungen. Ihr Anwalt holt zum Befreiungsschlag aus, um "abenteuerliche Verschwörungstheorien" zu widerlegen.

Nach den Ermittlungen gegen Staatsanwälte im Fall Kampusch holt ihr Verteidiger zum Befreiungsschlag aus: Der Wiener Anwalt Richard Soyer hat am Donnerstagabend wesentliche Aktenteile veröffentlicht,  um damit "abenteuerlichen Verschwörungstheorien" entgegenzutreten. Die Akten würden klar die Einzeltätertheorie belegen, so Soyer in einer Aussendung. Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen mehrere Staatsanwälte wegen angeblicher Pflichtverletzungen.

Publiziert wurden der 24 Seiten umfassende Abschlussbericht von Oberstaatsanwalt Thomas Mühlbacher an das Justizministerium vom 18. Dezember 2009, ein weiterer Bericht und eine Anordnung Mühlbachers vom September 2009, ein Vermerk sowie eine Pressemitteilung, ein Vorlagebericht der Oberstaatsanwaltschaft Wien vom Februar 2010 sowie zwei Mails (1 und 2) des ehemaligen Soko-Leiters in der Causa Kampusch an Mühlbacher bzw. die vom Innenministerium eingesetzte Evaluierungskommission.

Laut Soyer ergibt sich aus den veröffentlichten Akten, "dass die Staatsanwaltschaften eng und vertrauensvoll mit den ermittelnden Polizeieinheiten kooperiert haben, umfangreichste Ermittlungen geführt wurden und allen sinnvollen Ermittlungsansätzen nachgegangen wurde". Es seien "sämtliche Ergebnisse eingehend bewertet" worden. Am Ende habe sich der Tatverdacht "dennoch nur gegen einen einzigen Täter", nämlich den Entführer Wolfgang Priklopil gerichtet, so Soyer.

"Fall stinkt zum Himmel"

Die Veröffentlichung war erfolgt, nachdem die Wiener Tageszeitung "Kurier" am Donnerstag in breiter Aufmachung "Enthüllungen" aus den "geheimen Akten im Fall Kampusch" angekündigt und dabei den pensionierten Präsidenten des Obersten Gerichtshofs (OGH), Johann Rzeszut, unter anderem mit der Bemerkung "Der Fall stinkt zum Himmel" zitiert hatte. Rzeszut, der auch der vom Innenministerium eingesetzten Evaluierungskommission im Fall Kampusch angehörte, erklärte einmal mehr, es habe "Ermittlungspannen" gegeben.

Dem trat Soyer mit Verweis auf die nunmehr veröffentlichen Aktenbestandteile vehement entgegen: "Ein seit Jahren pensionierter Strafrichter und vormaliger Staatsanwalt, der Mitglied einer polizeilichen Evaluierungskommission war, aber keinen vollständigen Überblick über die umfangreichen Ermittlungen hat, behauptet unter Verwendung teils überholter und unvollständiger Unterlagen unablässig in unterschiedlichen Medien, dass die mit Ermittlungen betrauten Staatsanwaltschaften Beweise falsch gewürdigt bzw. unterdrückt hätten. Hiezu entwickelte er unhaltbare Theorien, denen keine entsprechende Faktenlage zugrunde liegt, nämlich dass die Behörden einen 'Kinderpornoring', dem höchste Beamte und Politiker angehören sollen, schützen würden".

(APA)