Zweierlei Luxuriöses aus dem Hause Daimler. Während sich der Mercedes CL locker mit Bentley misst, verwöhnt das Smart Cabrio mit Parkplätzen, wo immer man sie braucht.
Mercedes CL und Smart – eine unwahrscheinliche Paarung? Nicht unbedingt. Zunächst verbindet die beiden Autos, dass sie jeweils die Außenposten im Daimler-Land besetzen. Der CL ist – vom AMG-Überflieger SLS abgesehen – das Teuerste, was man bei Mercedes bekommt, die Sub-Marke Smart entbietet den billigsten Satz Räder.
Ebenso verhält es sich mit der Größe: Es steht das längste gegen das kürzeste Paar Türen des Hauses: 5,1 gegen 2,7 Meter. Auf dem Parkplatz eines CL kriegt man problemlos zwei Smart unter.
Und während es folgerichtig kein besseres Auto für die Stadt als den Smart gibt, kommt als Steigerung des CL-Langstreckenkomforts eigentlich nur noch der Privatjet infrage. Klarer Fall: Die beiden Autos gehören in eine Garage.
Was sollte einem schon abgehen? In Sachen Luxus nicht viel. Der CL hat sich mit Allradantrieb 4Matic in Schlagdistanz zu Bentley gebracht, als dezente und billigere Alternative zum Continental GT. Bei den vier angetriebenen Rädern geht es weniger um den Skiurlaub als darum, wie Unmengen an Kraft möglichst kultiviert auf die Straße gebracht werden können. Wer in dieser Liga aufs Gas latscht, will sich auch auf regennasser Straße nicht von einem flackernden ESP behelligen lassen.
Zapfsäulen-Perrier
Mit dem Makel, über vier Zylinder weniger als der Bentley zu verfügen, kann man im CL500 gut leben (nur Oligarchen greifen zum vollen Dutzend des CL600). Der V8 ist ein Monument des Motorenbaus, zweifellos einer der allerbesten Achtzylinder auf dem Markt.
Das hat für den „Fünfhunderter“ von Mercedes traditionell immer schon gegolten, und es beeindruckt, wie gut dieser Anspruch in die Zeiten des Downsizing übertragen wurde. Aus dem Saugmotor mit zuletzt 5,5 Liter Hubraum und 388PS wurde ein 4,7-Liter-Biturbo. Zweck der Übung: den Verbrauch in zeitgemäße Regionen zurückzufahren. Klar: Volltanken im CL ist immer noch ein Ereignis, von dem mancher Tankwart am Abend zu Hause erzählen mag. Bis der (nicht ganz leere) 83-Liter-Tank gefüllt ist, stehen über 130 Euro auf der Rolle.
Das hat natürlich mit den brisanten Tarifen des guten 100-Oktan-Sprudels zu tun, mit dem man den Motor liebevoll labt (obwohl der natürlich auch mit 95er leben kann). Eine voller Tank hält dafür eine ganze Weile, Überland bis 700 Kilometer weit. Von einer ausgewogenen Testfahrt (viel Autobahn, aber doch auch Stadtverkehr) zurückgekehrt, standen 11,6 Liter pro 100 Kilometer zu Buche (Normwert: 9,9 Liter). Das „BlueEfficiency“-Abzeichen, das Öko-Label von Mercedes, trägt der CL also nicht ganz zu Unrecht an den Flanken.
Direkteinspritzung und Start-Stopp-Automatik, in diesem Fall kunstfertig gekoppelt an eine Sieben-Gang-Automatik, gehören zu den Fingerübungen auf dem Gebiet. Das selbsttätige Abstellen des Motors an der Ampel fügt sich übrigens völlig störungsfrei in die Atmosphäre von Luxus und Überfluss: Man spart trotzdem, wo man kann.
Schließlich gibt es auch keine Abstriche zu beklagen. Der Biturbo-V8 schwingt – bei Bedarf – mehr denn je die eiserne Faust. Neben 435PS mögen das die 700 Newtonmeter Drehmoment verdeutlichen, wie sie ab 1800U/min vollzählig versammelt sind.
Aus dem Maschinendeck
Der Gewalt, zu der der Motor völlig ansatzlos aufbrausen kann, haben auch die über zwei Tonnen Gewicht wenig entgegenzusetzen.
In aller Regel weidet man sich aber pulsberuhigt am Charisma des Triebwerks, das gerne wie ein großer Schiffsdiesel dahinstampft, gelegentlich aus dem Maschinendeck mit den Ladern schmatzt und immer diesen nobel grollenden V8-Ton aus den zwei Schloten am Heck dazumischt. (Das kann übrigens nur der gute alte Otto: Undenkbar, ein solches Theater mit Dieselmotor zu bespielen.)
Beim bislang etwas klobigen Lenkverhalten des CL wurde nachgebessert, das wird die Junggebliebenen unter der in Reichtum ergrauten Klientel erfreuen. Die Luftfederung Airmatic mit Sport-Kennung auf Knopfdruck ist Serie.
Das große Coupé hat im Wesentlichen das Cockpit der S-Klasse, und erneut ist festzuhalten, dass es kaum elegantere Lösungen gibt. Mit dem Drehrad schlüpft man ins Bordsystem, die schnellen Dinge – etwa Klima – regelt man über die silberne Tastenleiste, der Rest: Holz und Leder. Ein gelungener Konterpart zur technoiden Aufgeregtheit an Bord von BMW und Audi – so hat es im Mercedes auszusehen.
Wie es im Smart aussieht, haben wir unlängst aus dem Diesel-Coupé berichtet. Fazit: Cabrio und Benziner sind erste Wahl in dem Format. Die Handvoll Motor des 71-PS-Smart (1,0Liter, drei Zylinder) schweigt an der Ampel, dennoch betrug der Testverbrauch stolze 6,2Liter pro 100 km. Die gelegentlichen Launen des halbautomatischen Getriebes erklären sich aus der mechanischen Funktionsweise und sind durch einen kalibrierten Gasfuß in den Griff zu bekommen. Die logische Wahl für einen Smart wird aber ohnehin Elektroantrieb sein, erste Flotten sind damit schon unterwegs.
Und so bleibt man bei der Marke: Während man mit dem CL die Latifundien bereist, ist der Smart das Beiboot für die Stadt.
Auf einen Blick
Mercedes CL500 4MaticBlueEff
Das große Coupé, mustergültig: Stuttgarts alter Adel
Maße: L/B/H 5095/1871/1419mm, Radstand 2955mm, Kofferraum 490l, Gewicht fahrfertig 2120kg, Allradantrieb
Motor: V8-Zylinder, 4663ccm, Biturbo, 320kW (435PS) bei 5250 U/min, 700Nm bei 1800–3500 U/min, 0 auf 100 km/h in 4,9sec
CO2: 240g/km (lt.Norm)
Testverbrauch: 11,6l/100km
Preis: 148.500Euro
Smart fortwo MHD CabrioPassion
Immer noch die Zukunft des Stadtautos – bald auch mit E-Antrieb
Maße: L/B/H 2695/1559/1565mm, Radstand 1867mm, Kofferraum 220l, Gewicht 800kg, Heckantrieb
Motor: R3-Zylinder, 999ccm, 52kW (71PS) bei 5800U/min, 92Nm bei 2800U/min, 0 auf 100 km/h in 13,7sec, Vmax 145 km/h
CO2: 99g/km
Testverbrauch: 6,2l/100km
Preis: 16.468Euro [Fotos: Clemens Fabry]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.03.2011)