Schaden von mindestens 173.000 Euro für das Bundesmuseum durch den Direktor. Am Mittwochabend war vom Kuratorium Noevers Entlassung als Angestellter des Museums mit sofortiger Wirkung beschlossen worden.
Der Rausschmiss von Museumsdirektor Peter Noever wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten im Museum für angewandte Kunst (MAK) wurde am Donnerstag von ÖVP und FPÖ zustimmend kommentiert. „Das Kuratorium unter dem Vorsitz von Andreas Treichl (Chef der Erste Bank Group) hat richtig und konsequent gehandelt“, sagte ÖVP-Kultursprecherin Silvia Fuhrmann. Die fristlose Entlassung nach der gründlichen Prüfung der Causa sei folgerichtig und unumgänglich gewesen.
Auch FPÖ-Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner begrüßte die Entscheidung: „Diesen längst überfälligen Schritt hat aber Bundesministerin Schmied bis zuletzt gescheut. Die Fakten, die zu der fristlosen Entlassung geführt haben, standen zwar schon länger fest, doch wollten verantwortliche Kreise diese wohl nicht wahrhaben.“
Nach mehrstündiger Sitzung war am Mittwochabend vom Kuratorium einstimmig Noevers Entlassung als Angestellter des Museums mit sofortiger Wirkung beschlossen worden. Ein Abfertigungsanspruch besteht nun nicht mehr. Damit endet auch der Gehaltsanspruch des Ex-Direktors, der vor genau einem Monat nach Bekanntwerden gröberer finanzieller Verstöße zurückgetreten war und aus „tätiger Reue“ 220.000 Euro zur Wiedergutmachung des Schadens hinterlegt hat.
Schaden bisher nur grob geschätzt
In der Zwischenzeit war aber die Dimension des Skandals gewachsen. Ein Prüfbericht von PricewaterhouseCoopers beziffert nun die Schadenshöhe nach einer groben Schätzung auf 173.000 Euro. Darin enthalten sind „Rechnungen mit falschen Angaben“ im Umfang von 53.600 Euro, bei denen Firmen Leistungen im Zusammenhang mit Geburtstagsfeiern von Noevers Mutter falsch datiert und falsch deklariert haben, damit sie „zu zeitnahen Fremdveranstaltungen des MAK passten“. Treichls Bilanz: „Ich glaube, dass wir extrem korrekt vorgegangen sind. Wir haben so gehandelt, wie wir es tun mussten.“ Für ihn sei die Prüfung damit abgeschlossen. Das gilt jedoch nicht für behördliche Ermittlungen. Laut APA hat die Staatsanwaltschaft auf Basis der vom Kuratorium vor einem Monat eingebrachten Anzeige ein Ermittlungsverfahren gegen Noever wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet. red./APA
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.03.2011)