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Neuer Rückschlag für BP in Russland

(c) EPA (BERND THISSEN)
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Ein Gericht verlängert die einstweilige Verfügung gegen den BP-Deal mit Rosneft. In London schütteln indes Beobachter den Kopf über BP-Chef Bob Dudley.

London. Der Ölkonzern BP muss weiter um die Zukunft des geplanten Zusammenschlusses mit dem russischen Konkurrenten Rosneft bangen. Ein Londoner Gericht entschied Donnerstagabend für eine Verlängerung der einstweiligen Verfügung gegen den Deal, die eine Gruppe russischer Oligarchen erwirkt hatte. Die Entscheidung fällt nun am 7.April vor einem Schiedsgericht in Schweden.

BP hatte zu Jahresanfang mit der staatlichen Rosneft überraschend einen 16-Milliarden-Dollar-Deal vorgestellt, der einen gegenseitigen Aktientausch und gemeinsame Explorationen in der Arktis vorsieht. Dagegen liefen aber vier Oligarchen Sturm, die 50 Prozent an dem russischen Joint Venture BP-TNK besitzen.

Sie sind der Rechtsauffassung, dass ihr Gemeinschaftsunternehmen „das einzige Instrument für die Geschäfte von BP in Russland“ ist. Damit erwirkten sie eine vorläufige Blockierung des Zusammenschlusses.

 

Oligarchen zu Verkauf bereit?

In ihrer Argumentation fahren die Oligarchen schwere Geschütze auf: „Willkürliche Verletzung der Aktionärsvereinbarung“ warf ihr Sprecher Stan Polovets gestern BP vor. Für eine weitere Zusammenarbeit bedürfe es „massiver Anstrengungen“, um das „schwer beschädigte Verhältnis“ zu reparieren. BP betonte hingegen „die Entschlossenheit, an unserem Engagement in Russland festzuhalten“.

In Moskau hält sich das Gerücht, dass die vier Oligarchen hinter BP-TNK – Viktor Vekselberg, Michail Fridman, German Khan und Len Blavatnik – nur den Preis ihres Anteils in die Höhe treiben wollen und für 30 Milliarden Dollar zu einem Verkauf bereit wären.

In London schütteln indes Beobachter den Kopf über BP-Chef Bob Dudley. Der Analyst Dougie Youngson sagte gestern: „Wenn man seine Vorgeschichte in Russland kennt, hätte man ein sensibleres Vorgehen erwarten können.“

Vor seiner Bestellung zum BP-Chef war Dudley nämlich Boss von BP-TNK gewesen. Er war damals in so heftige Kämpfe mit den Oligarchen verwickelt, dass ihm zeitweise sogar die Einreise nach Russland verweigert wurde.

 

Kreml signalisiert Hilfe für BP

Im Gegensatz zu früher steht der Kreml heute nicht mehr klar auf der Seite der Oligarchen. Ein Zusammenschluss von der Tragweite, wie sie Rosneft und BP planen, ist ohne den Segen von Ministerpräsident Wladimir Putin wohl undenkbar.

Vizepremier und Rosneft-Chef Igor Setschin ließ gestern auch durchblicken, dass das letzte Wort in der Causa „noch nicht gesprochen“ sei. Darauf hofft auch BP, denn gestern gab der Kurs in London um fast ein Prozent nach.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2011)