Junge Architekten: Erfolg, fast wie geplant

Junge Architekten Erfolg fast
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Begeisterung und Kompetenz allein genügen nicht für den unternehmerischen Erfolg junger Architekten. Auch ihr Auftreten und ihre Kundenakquisition brauchen einen Plan.

Homo universalis, ein anderer Name für – Architekt. Rechnen muss er können, technisch versiert sollte er sein, künstlerisch inspiriert, das würde helfen. Und darüber hinaus auch bitte schön möglichst empathisch. Denn schwierige Bauherren und besonders fantasievolle gibt es genug, die sich völlig unverstanden fühlen.

Nicht zuletzt sollen die Architekten Bauwerke entwerfen, die zumindest in den nächsten 50 Jahren noch immer überzeugen, funktionell, aber auch ästhetisch. Doch zunächst braucht man Bauherren, die all die Ideen, Euphorie und großen Pläne auch gut gebrauchen können und womöglich auch gut dafür bezahlen, damit sie umgesetzt werden. Von Ehrgeiz und Kreativität allein können auch junge Talente nicht leben.

Aufmerksamkeit, das ist das Erste, was junge Architekten gut brauchen können. Prinzipiell gäbe es ja zwei Möglichkeiten, um das zu erreichen, meint Architekt Gerd Erhartt vom Wiener Büro Querkraft. Man könne einfach jeden Auftrag annehmen, der sich anbietet, egal, wie klein er ist, und das Herzblut nur so fließen lassen in das Projekt. Denn selbst die kleinsten Projekte können großes Echo in der Branche bringen.

Auch Architekt Hans Hollein brauchte einst nicht mehr als 15 Quadratmeter eines Geschäftes am Wiener Kohlmarkt, das er mit einer Aluminiumfassade gestaltete, um Aufmerksamkeit zu erregen. Natürlich verspricht auch die Teilnahme an Wettbewerben die Chance auf Aufträge und noch mehr Wettbewerbe. Doch so leicht schlüpft man nicht in ihre Startlisten. Denn: Offene Wettbewerbe sind selten. „Und häufig gibt es Zugangsbeschränkungen, wie etwa, dass man eine bestimmte Bürogröße braucht oder dass man schon etwas gebaut haben muss“, so Erhartt. Auch eine Portion Aktionismus könne beim Kampf um Aufmerksamkeit nicht schaden. „Man kann etwa vorübergehend ein paar Parkplätze besetzen und damit auf den öffentlichen Raum und sich selbst aufmerksam machen“, meint Erhartt. Die Medien müssen natürlich informiert und die Fotos dazu auf Facebook gepostet werden.


Vorsprechen beim Bürgermeister. Wer hoch hinaus will, muss viel Biss haben. „Und sich möglichst spezialisieren“, meint der Markenberater Michael Brandtner. Die meisten Dienstleister würden am liebsten alles für die Zielgruppe „alle“ machen. „Doch das funktioniert nicht“, so Brandter. Erfolgreich sei, wem es gelinge, sich in einem spezialisierten Bereich zu positionieren. „Man muss in einem bestimmten Segment, einer bestimmten Zielgruppe oder auch einer bestimmten Region zur Nummer eins in den Köpfen der Kunden werden.“ Dazu brauche man Mut, Ausdauer, Glück. „Und nicht zuletzt auch die Fähigkeit, auf Leute zugehen zu können“, so Erhartt.

Wie das funktionieren kann, das zeigen etwa die Wiener Architekten vom Büro „Plov“, Marion Gruber und Christoph Leitner. Sie sind Anfang dreißig, selbstständig und ganz schön hungrig. In ihrem WG-artigen Gemeinschaftsbüro riecht es nach Linseneintopf, die Schreibtische quellen über vor Skizzen, Modellen, Stiften und Plakaten. Im Eck lehnen alte Rennräder und Raketen für ein Feuerwerk. „Die brauchen wir, wenn wir wieder einen Wettbewerb gewinnen“, sagt der Architekt Christoph Leitner. Und mit Wettbewerben haben er und seine Büropartnerin Marion Gruber gute Erfahrungen gemacht. Schon die zweite Teilnahme war erfolgreich, das war der Startschuss für den Weg in die Selbstständigkeit. Seit Beginn ihres Studiums hatten die beiden in verschiedenen Büros gearbeitet, doch der Schritt, selbst ein Büro zu eröffnen, war für sie von vornherein geplant.

Das Geld für den Start haben sie schon während des Studiums gespart. „Am Anfang wollten wir noch ein Architektur- und Grafikbüro und am Abend gleich ein Beisl dazu, quasi als 24-Stunden-Job. Doch schon bald haben wir eingesehen, dass es das nicht spielt“, erzählt Leitner. Und dass das Hauptgeschäft, die Architektur, doch fordernder ist als erwartet.

Um heute auf sich aufmerksam zu machen, haben „Plov“ eine eigene Methode entwickelt: Regelmäßige Ausflüge führen sie aufs Land, dann werden Bürgermeistern die Hände geschüttelt, die eigenen Leistungen und Arbeiten vorgestellt. Und schließlich lassen die Architekten als Erinnerung ein selbst produziertes Portfolio-Heftchen da.


Achtung, Geld. Vor lauter Selbstinszenierung dürfen junge Architekten nicht auf das Wichtigste vergessen, die Finanzen. Erhartt: „Architekten müssen von Anfang an aufpassen, nicht das Budget zu sprengen.“

Wenn Auftraggeber Wünsche äußern, müsse man auch klarmachen, was um wie viel mehr kostet und wer das bezahlen muss. „Gerade hier hat es Sinn, sich von älteren Kollegen Hilfe zu holen“, meint Erhartt. Diese könnten die Summen und Kalkulationen oft viel besser einschätzen.

Zielführend sei natürlich auch, sich mit anderen Architekten zusammenzuschließen, so könne man sich gegenseitig austauschen und anstacheln. Aber auch teilen: die Verantwortung und auch die Kosten. Ein eigenes Büro braucht man auch als Gemeinschaft anfangs nicht unbedingt, meint Erhartt. Es sei sinnvoller, die Kosten anfangs so gering wie möglich zu halten. Und erst einmal den Küchentisch daheim zur Bürozone zu machen. Zwei oder drei Aufträge oder erfolgreiche Wettbewerbe später, könne man sich dann nach eigenen Büroflächen umsehen.

»we-Workshops for entrepreneurs«
Unternehmen gründen, positionieren, etablieren – das vermitteln die „we-Workshops“, die von aws impulse und departure veranstaltet werden, im Rahmen von evolve, einer Initiative des Wirtschaftsministeriums.

Theorie und Praxis an zwei Wochenenden
8. bis 10. April in Wien (Termine im Mai für Innsbruck): Vom Businessplan über Marketing & PR zu rechtlichem Know-how und Steuern. Am 15. und 16. April folgen die Praxisberichte. Für den Bereich Architektur etwa referieren Jakob Dunkl (Querkraft) und Martin Haller (Caramel).
Anmeldungen unter www.we-workshops.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2011)