Schattentheater aus New York in Wien

(c) John Kane/Silver Sun Studio
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Die US-Tanztruppe Pilobolus kommt im Juli mit „Shadowland“ ins Wiener Museumsquartie: Es geht um die unheimlichen Abenteuer eines Mädchens in der Schattenwelt. „SpongeBob“-Autor Steven Banks entwarf den Plot.

Ein Mädchen gerät im Traum in eine Schattenwelt. Es wird beinahe von gruseligen Köchen gesotten, seiner Identität beraubt. Es trifft einen Kentaur, Elefanten, einen Riesenschädel. Als Zwitterwesen, halb Hund, halb Mädchen begleitet die junge Frau einen Cowboy im Auto kreuz und quer durch Amerika. Die Annäherungsversuche des seltsamen Geschöpfes weist der Mann rüde zurück. „Shadowland“ ist eine Show, die vom Erwachsenwerden erzählt und an „Alice im Wunderland“ ebenso erinnert wie an Roadmovies. Ab 5. Juli ist die Performance der Tanzkompanie „Pilobolus“ im Wiener Museumsquartier zu sehen. „Die Presse“ traf die Künstler in Connecticut, wo sie ihre Gastspiele vorbereiten.

Robotershow mit dem MIT


„Pilobolus“: Der Name stammt von einem Pilz, der sich als Parasit explosionsartig vermehrt und nicht ungefährlich ist. Erdacht wurde das Konzept der Modern-Dance-Kompanie von zwei Studenten in den wilden Sixties. „Wir haben in vierzig Jahren niemals eine Pause gemacht“, sagt Gründer, Intendant und Choreograf Michael Tracy. Das ist auch schwer möglich, denn Subventionen gibt es kaum in den USA. 70 Prozent ihres Einkommens müssen „Pilobolus“ durch Eintrittskarten auf ihren Tourneen einspielen. Wie funktioniert das Konzept wirtschaftlich? „Wir beginnen mit einem einzelnen Stück von 15 Minuten, das kostet 25.000 bis 100.000 Dollar. Dann bauen wir es aus. Zirka 100 Stücke haben wir im Repertoire“, erläutert Tracy. Derzeit in Vorbereitung: eine Show mit Robotern vom MIT (Massachusetts Institute of Technology).
Die Roboter werden live mit den Tänzern auftreten: Das MIT, eine der berühmtesten Universitäten und Forschungseinrichtungen der Welt, wirbt für seine Errungenschaften. „Pilobolus“ hat ein originelles Sujet für eine Performance. Ein weiteres Projekt gibt es mit der japanischen Butoh-Company Dairakudakan. „Pilobolus“ hat mit bekannten Künstlern wie Maurice Sendak („Wo die wilden Kerle wohnen“) oder Art Spiegelman gearbeitet. Spiegelman zeichnete „Maus – Geschichte eines Überlebenden“, Erinnerungen seines Vaters an die Shoa. 2007 begleitete „Pilobolus“ die Oscar-Verleihung; bei André Hellers jüngster Show „Magnifico“ hat die Truppe mitgearbeitet. Sie entwickelt aber auch Werbespots für Firmen (American Express, Toyota) und liefert Live Acts für Firmenfeste. „Shadowland“ wurde von einem heimlichen Star der Entertainment-Branche geschrieben: Steven Banks war Autor mehrerer Staffeln des weltweiten Animationshits „SpongeBob“ von der Viacom-Tochter Nickelodeon, dem TV-Sender für Kinder und Jugendliche von sechs bis 17 Jahren.
sWie funktioniert so eine Produktion, und s-6;0was macht ihren Erfolg aus? Banks: „SpongesBob wurde vom Meeresbiologielehrer Stephen Hillenburg erfunden. Niemand setzt sich hin und verfasst ein Script. Zunächst wird auf einer halben Seite die Story beschrieben, die später in die verschiedenen Szenen aufgeteilt wird. Dann geht sie zum Story Board. Dort entsteht die Visualisierung wie bei einem Comic Strip – mit den Dialogen im Groben, die dann noch ausgearbeitet werden. Der Erfolg von ,SpongeBob‘ ist, dass er kleine Kinder ebenso anspricht wie Teenager und Erwachsene. Er kann auf einer simplen Ebene verstanden werden, ist aber auch sophisticated.“ Hat „SpongeBob“ wie die „Simpsons“ eine satirische oder gar apokalyptische Botschaft? „Nein“, sagt Banks, „das ist einfach eine Geschichte über skurrile Geschöpfe, die im Ozean leben.“

Neue Stoffe: Super-Baby und böser Clown


An „Shadowland“ hat Banks, der auch Musiker, Clown und Schauspieler ist, der kooperative Arbeitsprozess fasziniert. Auch hier gab es kein Skript. Die Künstler tauschten Ideen aus, entwickelten die Show durch Improvisation. Banks: „Schatten ist ein wichtiges Element in vielen Ländern der Welt. Der Schatten ist mächtig und magisch, ob im Fernen Osten oder in Frankreich, ob im Kinderzimmer oder im Theater.“ All-age und global muss sie funktionieren, die Unterhaltung. Wie man allerdings bei den Proben zu „Shadowland“ sehen kann, ist am Ende nichts dem Zufall überlassen, jeder Handgriff ist stundenlang geübt und sitzt.
Banks werkt bereits an weiteren Stoffen. Ein Kinderbuch, ein richtiges, kein Plot, ist schon fertig: Super-Baby Brother heißt der Held, der übernatürliche Fähigkeiten hat, Monster und Außerirdische bekämpfen muss. Begleitet wird er von seiner großen Schwester, die sich als oft störrischer Troubleshooter betätigt. Weitere Projekte sind „Billy, the Mime“, eine freche Performance über heikle Themen von Abtreibung bis Serienkiller. Von „SpongeBob“ wird es einen weiteren Film geben, verspricht Banks, wann, das weiß man noch nicht.

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