Mobilfunk: Orange und T-Mobile rücken zusammen

(c) Reuters (HANNIBAL HANSCHKE)
  • Drucken

Konzernmütter Deutsche Telekom (T-Mobile) und France Télécom (Orange) wollen ihre Netze zusammenlegen - angeblich auch in Österreich. Enstprechende Verhandlungen würden geführt. Auch eine Fusion steht im Raum.

Wien. Noch ist es nicht viel mehr als ein Gerücht. Allerdings eines der besonders hartnäckigen Sorte: Die beiden heimischen Mobilfunker T-Mobile Austria und Orange könnten in Zukunft enger kooperieren. Die Hinweise darauf mehren sich nahezu täglich. So verhandeln die Konzernmütter Deutsche Telekom (T-Mobile) und France Télécom (Orange) bereits seit längerem über einen gemeinsamen Ausbau ihrer Netze. In Polen ist das bereits umgesetzt, in Großbritannien haben die beiden staatlich kontrollierten Konzerne sogar ein Joint Venture gegründet.

T-Mobile: „Sprechen mit allen“

Die Deutsche Telekom prüft im Moment zudem, auf welchem ihrer 13 europäischen Auslandsmärkte sie ihr Netz mit dem eines Konkurrenten zusammenlegen könnte. Das bestätigte Telekom-Boss René Obermann dem deutschen „Handelsblatt“. Auch in Österreich würden entsprechende Verhandlungen geführt.

„Wir sprechen mit allen Netzbetreibern über Kooperationen“, heißt es dazu auf Anfrage von T-Mobile Austria. Derzeit sei aber nichts unterschriftsreif. Die heimischen Mitbewerber dementieren derartige Gespräche allerdings oder hüllen sich in Schweigen. „Wir haben nicht vor zu kooperieren“, heißt es vom Marktführer Telekom Austria. Orange wollte keinen Kommentar abgeben.

Die französische Mutter hatte in den vergangenen Monaten allerdings keine Zweifel offengelassen, dass sie international eng mit den Deutschen zusammenarbeiten möchte. Da liegt es nahe, dass sich die Nummer zwei und drei auf dem heimischen Markt auch hierzulande zumindest die Kosten des Netzausbaus teilen wollen.

Völlig offen ist, wie die Kooperation aussehen könnte. Denkbar ist vieles: „Ich gehe davon aus, dass die Konzerne auch in Österreich ein Joint Venture gründen“, sagt etwa ein Analyst der WestLB.

Die Umstände in Österreich und Großbritannien sind tatsächlich vergleichbar. In beiden Märkten ist der Wettbewerbsdruck hoch, und die Umsätze sind durch den harten Preiskampf vergleichsweise gering. „Wir laufen auf höchster Geschwindigkeit, nur um stillzustehen“, beschrieb Orange-Chef Michael Krammer jüngst die Situation bei der Bilanzpräsentation.

Auf der anderen Seite stehen die Unternehmen vor großen Investitionen. Ein neues Netz der vierten Generation LTE soll den derzeitigen Standard UMTS ablösen. Die Milliardenkosten dafür wollen manche Anbieter eben nicht alleine schultern und suchen nach Partnern.

Regulator: „Kein Spaziergang“

Noch ist der mögliche Deal zwischen T-Mobile Austria und Orange nicht spruchreif. Weder der Regulierungsbehörde RTR noch der Bundeswettbewerbsbehörde BWB liegt ein entsprechender Plan vor.

Beide Behörden müssten ihr O.K. zu einer derartigen Kooperation geben. RTR-Chef Georg Serentschy gibt sich gegenüber der „Presse“ vorsichtig: „Ein Spaziergang wird das sicher nicht.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2011)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.