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Aufstand auf Lampedusa: Bürger besetzen Rathaus

Lampedusa Migranten Protest
Migranten kommen auf Lampedusa an(c) EPA (Venezia Filippo)
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In der Nacht auf Dienstag sind 454 neue Bootsflüchtlinge auf der italienischen Insel angekommen. Die Einwohner proben den Aufstand und blockieren das Rathaus und den Hafen.

Auf der Mittelmeerinsel Lampedusa wächst der Protest wegen der nicht abreißenden Flüchtlingswelle aus Tunesien. Einige Bürger besetzten am Dienstag das Rathaus der Insel und rollten Spruchbänder mit Slogans gegen die "Migranteninvasion" aus Nordafrika aus. "Wir sind keine Rassisten, hier geht es ums Überleben", betonte ein Demonstrant. Die Bürger bemängelten, dass die Straßen der Insel von tunesischen Migranten belagert seien. Die hygienische Lage sei besorgniserregend. Berichte von einem Ehepaar, das in seiner Wohnung von tunesischen Flüchtlingen ausgeraubt wurde, sorgten für weitere Aufregung.

"Die Tunesier haben die Insel besetzt. Die Migranten dringen in die Wohnungen ein und bedrohen die Einwohner, die sich aus Angst in ihre Wohnungen verschanzen", berichtete der Präsident der Region Sizilien, Raffaele Lombardo, in einem TV-Interview. "Die Migranten haben sich bisher meist nicht aggressiv verhalten. Sollten sie aber begreifen, dass wir sie nach Hause zurückbringen wollen, könnten Revolten ausbrechen", betonte Lombardo.

Der Politiker kritisierte Pläne der Regierung, den Migranten ein Bonus in Höhe von 2000 Euro für ihre Rückkehr in ihre Heimat zu gewähren. "Die Migranten haben keinerlei Rückkehrabsichten. Ich glaube auch nicht an die Zwangsabschiebung der Tunesier. Sollten wir die Migranten einfach am Strand von Tunis, oder Hammamet lassen?", fragte Lombardo.

Malta fürchtet ähnlichen Ansturm

Schon am Montag war es auf Lampedusa zu Bürgerprotesten gekommen. Fischer blockierten mit Booten den Zugang zum Hafen Lampedusas. Damit wollten sie die Landung weiterer Migranten verhindern. Eine Gruppe von Frauen kettete sich aus Protest am Eingang des Hafens an. "Wir sind von allen verlassen worden. Wir wollen unsere Freiheit zurück", betonten die Demonstranten. Dennoch sind in der Nacht auf Dienstag einige Boote mit insgesamt 454 Migranten gelandet. An Bord eines Bootes befanden auch 190 Flüchtlinge aus Eritrea und Somalia.

Am Dienstag sind auch auf der nahen Insel Malta 550 libysche Flüchtlinge gelandet. Die dortige Regierung befürchtet einen ähnlichen Ansturm wie auf Lampedusa.

Massenevakuierung der Insel

Um die Situation zu entspannen, will die Regierung Berlusconi sechs Schiffe nach Lampedusa schicken, die die über 5000 Flüchtlinge aufs Festland bringen sollen, die sich noch auf der 20 Quadratkilometer großen Insel befinden. Innenminister Roberto Maroni will provisorische Auffanglager zur Identifizierung und Abschiebung aufbauen. Bis zu 1500 Personen sollen in einem Zeltlager in Manduria unweit der apulischen Stadt Taranto untergebracht werden. Das Zeltlager wird auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflughafens entstehen. Ein zweites Zeltlager ist auf dem Militärflughafen der sizilianischen Stadt Trapani geplant. "Niemand hatte mit einem derartigen Migrantenstrom aus Tunesien gerechnet", sagte Vize-Innenminister Alfredo Mantovano. Seit Jahresbeginn erreichten 18.000 Tunesier die Insel Lampedusa, im vergangenen Jahr waren es lediglich 27.

"Wir sind zur Zwangsabschiebung bereit, sollte sich Tunesien in den nächsten Tagen nicht für die Rückübernahme der Migranten einsetzen", sagte Maroni. Er bemängelte, dass sich Tunesien verpflichtet habe, Maßnahmen gegen die Abfahrt der Migranten von seinen Küsten zu ergreifen, die Massenabfahrten seien jedoch nicht gestoppt worden. Der Ministerrat berät morgen (Mittwoch) über Maßnahmen, die Tunesien bei der Patrouillierung der Küsten helfen sollen, um Migrantenabfahrten zu verhindern.

(APA)