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Bahnprojekt „Stuttgart 21“ vorläufig auf Eis gelegt

(c) EPA (PATRICK SEEGER)
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Verschnaufpause bis zur Konstituierung der neuen, grün-roten Regierung. Der Kopfbahnhof sollte in einen Durchgangsbahnhof umgewandelt werden. Baustopp wurde sowohl von den Grünen als auch von der SPD begrüßt.

Berlin/Stuttgart/E.m. Als Reaktion auf den Sieg von Grün-Rot in Baden-Württemberg hat die Deutsche Bahn einen vorläufigen Baustopp für das umstrittene Bahnprojekt „Stuttgart 21“ erlassen. Bis zur Konstituierung der neuen Landesregierung will die Bahn keine neuen Fakten schaffen – „weder in baulicher Hinsicht noch bezüglich der Vergabe von Aufträgen“, so Bahn-Vorstand Volker Kefer.

Der ursprüngliche Plan sieht vor, den Kopfbahnhof in einen Durchgangsbahnhof umzuwandeln, mit unterirdischen Gleisanlagen, sowie eine ICE-Schnellbahnstrecke Wendlingen–Ulm zu bauen. Nach offiziellen Berechnungen wird das Projekt rund 4,1 Milliarden Euro kosten. Bezahlt werden soll dies von Bahn, Land, der Region Stuttgart und dem Bund.

 

Stresstest im Sommer

Der Baustopp wurde sowohl von den Grünen als auch von der SPD begrüßt. Sie wollen abwarten, welche Ergebnisse der sogenannte Stresstest über Leistungsfähigkeit und zusätzliche Kosten bringt, und danach möglicherweise die Bürger per Volksentscheid über den Weiterbau des milliardenteuren Projekts entscheiden lassen. Wobei die beiden künftigen Koalitionspartner zu Stuttgart 21 unterschiedliche Positionen vertreten: Während die SPD den Bau mehrheitlich befürwortet, sind die Grünen – als einzige Partei – dagegen und haben sich im vergangenen Jahr an die Spitze der Massenproteste gestellt.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen der Gegner an den designierten Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann – für viele von ihnen war Stuttgart 21 ausschlaggebend, die Grünen zu wählen. Noch am Wahlabend kam es am Hauptbahnhof zu Ausschreitungen, S-21-Gegner rissen einen Zaun ein und trampelten auf Baumaterial: „Mappus ist weg, der Zaun muss weg!“

Bei aller Ungeduld mancher Bürger: Ein Ausstieg aus dem Projekt ist nicht von heute auf morgen zu machen; auch wäre es durchaus möglich, dass ein Volksentscheid eine Mehrheit von Pro-Stimmen ergeben würde. Der vorläufige Baustopp kommt Kretschmann daher entgegen, weil dadurch Zeit gewonnen wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2011)