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Fußball: Österreich verliert in der Türkei 0:2

Servet Cetin, Stefan Maierhofer
(c) AP ()
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Österreich muss sich in Istanbul klar geschlagen geben. Eine Qualifikation für die EM rückt damit in weite Ferne. Teamchef Constantini bleibt im Amt.

[ISTANBUL] Auf einmal war es ein Schicksalsspiel. Ausgerechnet in Istanbul, wo österreichische Mannschaften in der jüngeren Vergangenheit böse Erfahrungen gemacht haben. Nicht nur auf Klubebene, sondern auch die Nationalmannschaft. Selbst auf dem Weg zur WM in Italien hat die ÖFB-Auswahl in der Türkei verloren, ebenso das Playoff-Spiel unter Otto Baric. Und zwar deutlich. Aber nach der 0:2-Niederlage in der EM-Qualifikation gegen Belgien am vergangenen Freitag war die Mannschaft von Teamchef Didi Constantini zum Handeln gezwungen. Sie stand nicht nur auf dem Prüfstand, sondern sie sollte sich auch rehabilitieren. Für das Versagen gegen die Belgier.

Nicht nur die Spieler wurden hart kritisiert, auch Didi Constantini ist ins Kreuzfeuer gekommen. Wobei ihm ausgerechnet gegen die Türkei einige personelle Alternativen abhanden kamen. Marc Janko war nicht einsatzfähig, Zlatko Junuzovic plagte der Knöchel, Franz Schiemer wurde nicht rechtzeitig fit. Umstellungen ergaben sich daher zwangsläufig. An vorderster Front durfte sich Stefan Maierhofer abmühen, David Alaba fand sich am Flügel wieder, im Mittelfeld probierte es der Teamchef mit drei defensiven Kräften. Mit Scharner, Pehlivan und Baumgartlinger. Der Mut zum Risiko ist Österreich abhanden gekommen, Vorsicht war angebracht.

Mit dem Anpfiff setzte strömender Regen ein, im Fenerbahce-Stadion brodelte es, das Sükrü Saracoglu Oval wurde zum Hexenkessel. Schon bei den Hymnen war der Lärm ohrenbetäubend, beim ersten Angriff der Türken entlud sich ein akustischer Orkan. Die Gastgeber witterten ihre Chance, sie wussten, dass die Österreicher angeschlagen sind. Die Türken begannen so, wie man es erwartete – mit einem Offensivfeuerwerk.

Auf Österreichs Tor rollte ein Angriff nach dem anderen, bereits in der 4. Minute hatten die Gäste Glück, dass es nicht schon 0:1 stand. Aber Burak Yilmaz traf nur die linke Stange, auch weil Dragovic den Ball noch etwas ablenkte. Jürgen Macho konnte später bei einer Parade bei einem Schuss von Hamit Altintop Selbstvertrauen sammeln.
Die Türken, die in der EM-Qualifikation unter den Erwartungen geblieben sind und von Startrainer Guus Hiddink die Rute ins Fenster gestellt bekommen hatten, spielten unermüdlich nach vorne. Das entspricht ihrer Spielkultur, das sind sie gewohnt. Mehmet Ekici versuchte beim Torschuss sein Glück, beim anschließenden Eckball trat Arda Turan mit einem gefährlichen Kopfball in Erscheinung. Entlastungsangriffe der Österreicher waren rar, David Alaba hätte aus einer der wenigen Chancen mehr machen können (23.).

Dag patzte beim 0:1

Die rot-weiß-rote Abwehr hatte alle Hände voll zu tun, aber vorerst sollte sie standhaft halten. Allerdings nur bis zur 29. Minute. Bei einem Einwurf für die Türken geriet die Abwehr durcheinander, Besiktas-Istanbul-Legionär Dag patzte, zum Nutznießer wurde Arda Turan. Er hatte keine Mühe, Jürgen Macho zu bezwingen. Es war das erste Tor für die Türken nach über 400 Länderspiel-Minuten.

Wer in Istanbul einmal in Rückstand gerät, der läuft oft Gefahr, ein schlimmes Debakel zu erleiden. Die Constantini-Auswahl aber zerfiel nicht, sie versuchte sich weiter nach Kräften gegen die türkische Angriffslawine zu stemmen. Der Teamchef hoffte, mit den Einwechslungen von Korkmaz und Hoffer, dass man auch selbst ein wenig gefährlicher werden würde, die Hoffnung erfüllte sich allerdings nicht. Das ewige Nachlaufen hat viel Substanz gekostet, weil die Österreicher Charakter zeigen wollten. Um einen Schuss Wahnsinn ins eigene Spiel zu bringen, warf Didi Constantini dann auch noch Arnautovic, der an einem Magen-Darm-Virus laborierte, in die Schlacht. Das war schon wieder leichtsinnig. Und wurde prompt mit dem 0:2 durch Gökhan Gönül (78.) bestraft.

Im Finish wurde Erwin Hoffer im Strafraum niedergerissen – Elfmeter für Österreich. Stefan Maierhofer schnappte sich den Ball, er scheiterte allerdings an Volkan Demirel. Es passte zum Gesamtbild.

EM-Qualifikation: Die Tabelle

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30. 3. 2011)