Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Neue Oberstufen: Kein „Sitzenbleiben“, Schüler sollen Lehrer auswählen

(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
  • Drucken

SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied und ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon drängen auf ein Kurssystem und mehr Autonomie der Schulen. Langwierige Verhandlungen mit den Lehrergewerkschaftern werden erwartet.

Wien/PÖ/J. N. Die Oberstufen von AHS und BHS sollen künftig als Kurssystem abgehalten werden – und die Änderungen für die Jahre vor der Matura sollen weiter reichen als bisher geplant. Ab dem Schuljahr 2012/2013 soll nicht nur das Sitzenbleiben (fast) abgeschafft werden. Denkbar sei sogar, dass sich die Schüler nicht nur einzelne Schulfächer, sondern auch die Lehrer, die ihre (Pflicht-)Fächer anbieten, aussuchen. Das stellten am Mittwoch Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon bei einem gemeinsamen Pressegespräch in Wien in Aussicht.
Den Vorstoß für eine solche „Oberstufe neu“ hatte Amon gemacht: Er will die Klassenverbände lockern; wer Module in einzelnen Fächern nicht gleich besteht, soll mithilfe von Kursen aufholen können. Das Wiederholen von ganzen Schulstufen wäre damit obsolet – nur wenn in mehreren Fächern die Leistung nicht reicht, sei das „Sitzenbleiben“ noch eine Option (als „Ultima Ratio“).
Auch für Schmied ist das der richtige Ansatz: Mit Leistungskursen für die Schüler will sie dafür sorgen, dass die individuelle Förderung an den Schulen besser gelingt und der Bedarf an Nachhilfe sinkt. Für Schüler, die einen Kurs mit „nicht genügend“ abschließen, soll es Intensivkurse zum Nachholen geben, Lernbegleiter sollen ihnen dabei helfen. Und auch für Hochbegabte solle es eigene Exzellenz-Angebote geben, betonte Schmied: Besonders begabte Schüler sollen sich mehr als bisher – je nach Interesse – auf einzelne Fächer spezialisieren können. Schüler sollten künftig auch, ähnlich wie in den USA, Fächer abwählen können, sagte Schmied.
Und: „Warum nicht?“, meinte die Ministerin zum Vorschlag Amons, dass Schüler auch ihre Lehrer selbst wählen – zumindest dann, wenn mehrere Lehrer ein Fach anbieten. Wobei Schmied meinte, dies müsse nicht zentral vom Bund vorgegeben werden, sondern sie könne sich vorstellen, dass die Schulen eines Tages autonom entscheiden, ob sie ihren Schülern die Wahl des Lehrers lassen. Ein Ziel der Ministerin ist auch eine engere Verknüpfung von Modulen an den Oberstufen mit Kursen an den Universitäten; „die Kooperation soll zunehmen“, sagte sie.
Schon in den nächsten Monaten wolle man die „Oberstufe neu“ und außerdem den Ausbau der Neuen Mittelschule in Angriff nehmen, erklärten Schmied und Amon: Im September 2011 werden 117 weitere Neue Mittelschulen – also aufgewertete Hauptschulen – mit einem Zusatzbudget von 3,2 Mio. Euro starten. Bis 2016 sollen dann alle Hauptschulen umgewandelt sein, unter anderem wird es dort „Team Teaching“ der (Ex-)Hauptschul- mit AHS-Lehrern geben.

Verhandlungen über Dienstrecht startens

Als Nächstes stehen für die Bildungsverhandler von SPÖ und ÖVP aber die Gespräche über ein neues Dienst- und Besoldungsrecht der Lehrer bevor: Nächsten Dienstag werden Schmied und Amon gemeinsam mit Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka (ÖVP) die Verhandlungen mit den Lehrergewerkschaftern aufnehmen. An deren Spitze steht Fritz Neugebauer (ÖVP), Zweiter Nationalratspräsident und Chef der Beamtengewerkschaft. Am Dienstag werde man sich erst einmal auf den weiteren Verlauf der Verhandlungen einigen, heißt es. Beide Seiten erwarten längere Gespräche.
Für Schmied und Amon gibt es dabei „keine Tabus“ – auch nicht die Lehrer-Arbeitszeit, so Schmied, die aber schon einmal mit einem Vorstoß für zwei Extra-Wochenstunden für Lehrer eingefahren ist. Amon betonte, er könne sich mehr Anwesenheit der Lehrer an den Schulen vorstellen, dies im Rahmen einer „sinnvollen“ Nachmittagsbetreuung. Von den Gewerkschaften gibt es bereits Widerstand. Wichtig sind beiden Seiten höhere Einstiegsgehälter für Junglehrer; das werde den Job attraktiver machen. Auch einig ist man sich im Prinzip, dass die Um-, Auf- und auch Ausstiegschancen für Lehrer an allen Schultypen zunehmen müssen.