Als der Gott des Handels mit dem Christus verschmolz

„Merkur“, „Saturn“, „Cosmos“, „Mars“, „Plutonium“: Was werden Kulturwissenschaftler in 5000 Jahren aus diesen Namen lesen?

"Mit Merkur wird Ostern zum Fest!“ Uns lässt dieses Werbesprüchlein eines Supermarkts sanft gähnen. Doch Wissenschaftler der Zukunft wird er beflügeln. Ein Blick in die Kristallkugel (der Seriosität dieser Kolumne entsprechend aus Glas der Zusammensetzung 59% SiO2, 4% Na2O, 9% K2O, 3% B2O3 und 25% PbO gefertigt) erlaubt uns zu lesen, was ein Forscher in 5000 Jahren publizieren wird, in einer Zeit, in der unsere Kultur so verblichen sein wird wie das Wissen um ihre Atommülllager.

„Der ,Merkur‘-Fund bestätigt eine These, die wir seit der Entdeckung der ,Saturn‘-Tafeln bei den Ausgrabungen von Ybssa vertreten: Gegen Ende der amerikanisch-europäischen Ära erfuhr der Götterglaube der 2000 Jahre älteren griechisch-römischen Epoche eine merkwürdige Wiederkehr. Dafür spricht das Auftreten des Götternamens ,Saturn‘, speziell an Orten, an denen wahrscheinlich Vorformen der Quantenkommunikation gepflegt wurden, worauf Funde von metallreichen Apparaten hinweisen, die offenbar der Manipulation elektromagnetischer Wellen dienten. Wieso just dem Saturn als Gott des Ackerbaus eine solche Renaissance beschieden war, ist vielleicht über das griechische Pendant ,Kronos‘ und dessen Verwechslung mit ,Chronos‘, einem Gott der Zeit, zu erklären.

Auch dass eine laut Analysen stark zuckerhaltige Speise den Namen des Kriegsgottes ,Mars‘ trug, zeigt, dass in den zwei Jahrtausenden zwischen der Blütezeit der olympischen Götter und ihrer Wiederkehr etliche Umdeutungen stattgefunden haben. Denkbar wäre, dass die einst als vermählt angesehenen Götter Venus und Mars im Bewusstsein der Gläubigen verschmolzen, zumindest in Analogie zum genetischen ,Crossing-over‘ Eigenschaften austauschten; das könnte auch erklären, warum an Orten, die den Namen der Liebesgöttin Venus trugen, stilisierte Folterwerkzeuge gefunden wurden.

Einfacher scheint der Zusammenhang im vorliegenden Fall: Die ,Merkur‘-Tafel wurde in unmittelbarer Nähe eines Kultplatzes gefunden, an dem, wie aus dem reichen Spektrum organischer Reste zu schließen ist, intensiver Handel mit Speisen (u.a. Eiern!), aber auch Spezereien getrieben wurde. Offen ist freilich der Zusammenhang mit dem ,Oster‘-Fest, dessen christliche Wurzeln unlängst in einer viel beachteten Arbeit nachgewiesen worden sind. Ist die Tafel womöglich direktes Zeugnis der Ablösung einer Religion durch eine andere? Oder verschmolz im Kult dieser Zeit der auferstandene Christus mit einem revitalisierten Gott des Marktes? Zeugt das Ei als zentrales Symbol dieses Frühlingsfestes von dieser Verschmelzung?

Noch spekulativer ist die Interpretation eines Schriftstücks aus derselben Region zur selben Zeit, in dem vom Ruin des ,Cosmos‘ die Rede ist: Deutet das auf einen apokalyptischen Kult hin, in dem der Untergang des gesamten Universums halluziniert wurde? Wir wissen es nicht. Doch wie geprägt diese Ära von finsteren Ahnungen war, illustriert der Name, den sie dem chemischen Element der Ordnungszahl 94 gab: Pluto, das war zwei Jahrtausende davor der Gott der Unterwelt.“

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2011)

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