Grün investieren und trotzdem streuen

(c) AP (Susan Montoya Bryan)
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Wer an der Energiewende mitnaschen, aber nicht alles auf einen Karte setzen will, kann zu einem Ökofonds greifen. Früher abgestraft, konnten diese wieder zulegen. Mit dem Thema auskennen sollte man sich aber.

Wien. Öko-Aktien zählten zu den Gewinnern der Katastrophe in Japan. Sie konnten zuletzt satte Kursgewinne verzeichnen. Wer davor zurückschreckt, Geld in nur eine oder wenige einschlägige Aktien zu stecken, ist mit einem Fonds, der in Solar-, Windkraft- und andere Umwelttechnologiefirmen investiert, besser bedient.

Diese Fonds wurden in den vergangenen Jahren oft abgestraft, zuletzt konnten sie aber zulegen. Anleger des ESPA WWF Stock Climate Change (ISIN AT0000A054K8) konnten sich über Kursgewinne von fast acht Prozent im vergangenen Halbjahr freuen (abzüglich Ausgabeaufschlag von vier Prozent, der allerdings bei Onlinebrokern oft niedriger ist). Wer im Mai 2007 Anteile gezeichnet hat, als der Fonds aufgelegt wurde, ist noch immer im Minus. Mit der falschen Einzelaktie, etwa der deutschen Q-Cells, hätte man im gleichen Zeitraum allerdings mehr als 90 Prozent verloren.

Hoher Ölpreis hilft

„Vor drei Jahren gab es bei erneuerbarer Energie einen Höhenflug, der sich danach ins Gegenteil verkehrt hat“, stellt Wolfgang Pinner, Head of Sustainable Investments bei der Erste Sparinvest, fest. Das habe sich ins Gegenteil verkehrt. Nicht nur die mögliche Energiewende nach der Japan-Katastrophe pushe die Kurse: So werde die Marktfähigkeit der neuen Technologien sukzessive besser, die Abhängigkeit von öffentlichen Förderungen (die in der Vergangenheit für starke Kursschwankungen sorgte) sinke, und der hohe Ölpreis steigere die Wettbewerbsfähigkeit. Wie es mit den Ökofonds weitergeht, hänge auch stark davon ab, was die Politik nun mache, meint Florian Hauer, Fondsmanager des Kepler Öko Energien(ISIN AT0000A0AMJ6), der seit Jahresbeginn um sieben Prozent zugelegt hat. So sei man in Deutschland, Spanien oder Frankreich auf die Kostenbremse gestiegen. Das könnte sich nach der Katastrophe in Japan ändern.

Für Ökofonds wie für alle Themenfonds gilt: Man sollte sich ein wenig auskennen mit dem Thema und an eine gute Zukunft der Branche glauben. Wer „nur“ umweltfreundlich investieren will, sollte lieber zu einem „nachhaltigen“ Fonds greifen, der breit investiert, etwa auch in Nahrungsmittel oder IT-Firmen. Beispiele sind der 3-Banken-Nachhaltigkeitsfonds(ISIN AT0000701156) oder der Pioneer Global Ecology(ISIN LU0271656133).

Beteiligungen mit langer Laufzeit

Wer Schwankungen vermeiden will, kann sich direkt an einer Solar- oder Windkraftanlage beteiligen, etwa über einen geschlossenen Fonds. Der Vorteil: Einmal zugesagte Förderungen sind fix, gekürzt wird nur bei jeweils neuen Anlagen. Österreichische Anleger können sich etwa bei Neitzel & Cie an Fotovoltaikanlagen in Deutschland oder bei MPC an einem Biomassekraftwerk in Brasilien beteiligen. Die deutsche Beteiligung hat eine Laufzeit von zehn Jahren und soll laut Peter Maierhofer vom Beteiligungsberatungsunternehmen WM AG sieben bis acht Prozent jährliche Rendite nach Steuern abwerfen. Das brasilianische Biomassekraftwerk mit einer Laufzeit von 18 Jahren soll sechs bis sieben Prozent bringen. Nachteil von direkten Beteiligungen: Ein vorzeitiger Ausstieg ist nur im Notfall möglich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2011)

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