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Bei Aktien auf Nummer sicher gehen

Chancen bei Aktien
(c) dapd (Martin Oeser)
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Mit dem Sparbuch verbrennt man Geld. Aktien bieten dagegen große Chancen, bergen aber große Risken. Davor kann man sich mit Stopp-Loss-Orders schützen. Sofern man sie richtig einsetzt.

Wien. Aktien sind derzeit interessant. Warum? Ein Sparbuch müsste derzeit 3,3 Prozent an Zinsen bringen, damit das Geld in einem Jahr nicht von der Inflation angeknabbert wird. Von solchen Angeboten sind wir weit entfernt. Mit Aktien sind die Chancen größer. Investiert man 10.000 Euro an der Wiener Börse, müsste der Wert des Depots um knapp vier Prozent steigen, damit das Geld zumindest vor einem Kaufkraftverlust geschützt wird (Spesen und Wertpapiersteuer sind dabei berücksichtigt). Das ist allemal möglich.

Aber: Viele Sparer haben noch die dramatischen Verluste von 2008 vor Augen. Der ATX brach damals um 70 Prozent ein. Derartige Verluste kann man verhindern.

1. Wie setzt man Stopp-Loss-Orders richtig ein?

Die banalste, aber effektivste Methode sind noch immer Stopp-Loss-Orders. Auch renommierte Fondsmanager setzen laut „Presse“-Umfrage auf dieses Instrument. Diese Orders sind vor allem über Onlinebroker einfach zu handhaben, sie werden aber oft fehlerhaft angewendet.

Mit einer Stopp-Loss-Order legt der Anleger ein Limit fest, unter das der Kurs einer Aktie nicht abstürzen soll. Fällt die Aktie auf oder unter das Limit, wird automatisch eine Verkaufsorder erteilt. Die große Frage ist nun, wo man das Verkaufslimit ansetzen soll. „In erster Linie muss sich der Anleger fragen, wie viel Geld er maximal verlieren will oder darf“, sagt Peter Iwanoff, Fondsberater beim Assetmanager Diamind. Es gibt für das Setzen des Stopp-Limits kein Patentrezept, aber einige wichtige Anhaltspunkte, die man unbedingt beachten muss.
• Der erste Grundsatz ist, das Limit nicht zu nahe am Kurs zu setzen. Fällt die Aktie nämlich nur für kurze Zeit darunter, wird sie automatisch verkauft. Der Anleger nascht an der folgenden Aufwärtsbewegung nicht mehr mit. Oder er muss die Aktie abermals kaufen und dafür die Spesen berappen.
• Je volatiler eine Aktie, desto weiter unten soll das Stopp-Limit angesetzt werden. Bei der Intercell-Aktie (ISIN: AT0000612601) hat es keinen Sinn, das Stopp-Limit nur zehn Prozent unter den Kurs zu setzen. Ein Beispiel: Ende Februar 2007 ging die Aktie um mehr als 15 Prozent runter, ehe sie in den nächsten Wochen um 40 Prozent anstieg. Mit einem zu „engen“ Stopp-Loss hätte man den Kursanstieg nicht mehr mitgemacht.
• Bei defensiven Werten, die weniger stark schwanken, kann man das Stopp-Limit durchaus nur fünf bis zehn Prozent unter den aktuellen Kurs setzen. An der Wiener Börse sollte man mit dem Rahmen aber großzügiger sein.

Nicht nur notorisch volatile Aktien wie Schoeller-Bleckmann, CA Immo schwanken hier stark. Sondern auch jene der Post (ISIN: AT0000APOST4) und Telekom (ISIN: AT0000720008), obwohl die Unternehmen als „defensiv“ gelten. Man sollte das Limit mindestens 15 Prozent unter den Kurs setzen. Natürlich unter der Voraussetzung, dass man 15 Prozent Verlust verkraften könnte.
•Wie es die Psyche der Investoren will, setzen viele Marktteilnehmer ihre Stopp-Limits auf runde Beträge. Das sollte man tunlichst vermeiden.

Ein Beispiel: Fällt ein Kurs von 74 auf 70 Euro, werden im Markt auf einmal viele Verkaufsorders ausgelöst. Die Aktie wird dadurch noch weiter in den Keller geprügelt. Wird die Stopp-Loss-Order ausgelöst, wird die Aktie zum nächstbesten Kurs verkauft. Und dieser Kurs kann dann deutlich unter dem Stopp-Kurs liegen. Sehr ärgerlich für den „kleinen“ Anleger.

2. Sind charttechnische Signale nützlich für eine Stopp-Loss-Order?

Man kann sich etwa an charttechnischen Unterstützungslinien orientieren. Das sind Kursgrenzen, unter die Aktien kaum fallen. Bei Andritz (ISIN: AT0000730007)läge die Unterstützung derzeit bei knapp unter 60 Euro. Es würde sich auf den ersten Blick anbieten, den Stopp-Loss unter diese Linie zu setzen.

Aber: Institutionelle Investoren sehen solche Chartsignale auch und können durch ihre Marktmacht den Kurs unter diese Linie drücken – mit dem Ziel, dass viele Verkaufsorders ausgelöst werden, womit der Kurs noch weiter geprügelt wird. Die großen Investoren können daraufhin günstig einsteigen, der Kurs geht rauf. Die „Kleinen“ schauen durch die Finger.

3. Wie sichert man Kursgewinne ab?

Steigt der Aktienkurs, darf man nicht vergessen, die Stop-Loss-Order „nachzuziehen“. Also das Verkaufslimit anzuheben. Damit kann man Kursgewinne absichern. Das muss man nicht jeden Tag machen, sondern nur, wenn der Kurs um mehr als fünf bis sechs Prozent steigt. Man hebt dann das Verkaufslimit um sechs Prozent an. Wenn man das Ende eines Aufwärtstrends befürchtet, setzt man das Stopp-Limit enger an den Kurs. Bei den Onlinebrokern ist das Nachziehen des Stopp-Limits im Normalfall gratis, bei den „normalen“ Banken nicht.

4. Wie funktioniert ein Trailing-Stopp-Loss?

Ein Trailing-Stopp-Loss ist ein sehr sinnvolles Instrument. Das ist im Grunde eine Stop-Loss-Order, die bei steigendem Kurs automatisch nach oben mitgezogen wird. Es wird dabei vom Anleger ein bestimmter Abstand zwischen dem Kurs und dem Stop-Loss gesetzt. Nur: Für österreichische Aktien ist dieses Instrument nicht verfügbar, auch nicht bei den Onlinebrokern. „Die Börse bietet das nicht an“, heißt es bei Direktanlage.

5. Sind Put-Optionen als Absicherung sinnvoll?

Für Privatanleger nicht wirklich.Mit Put-Optionsscheinen lassen sich zwar Verluste abfedern. Ein Beispiel: Ein Anleger deckt mit seinem Aktiendepot im Wert von 50.000 Euro den ATX ab. Um das Depot bis Jänner 2012 auf den heutigen ATX-Stand (rund 2900 Punkte) abzusichern, muss der Anleger rund 1700 Put-Scheine etwa über die Wiener Börse (ISIN: AT0000A0M411) kaufen. Das kostet ihn eine Prämie von 4800 Euro, also fast zehn Prozent des Depotvolumens.

„Das ist schon relativ viel für private Anleger. Wenn sie von einem fallenden Markt ausgehen, ist es oft besser, die Aktien gleich zu verkaufen“, sagt Günther Berger, der bei der Erste Bank im Private Banking arbeitet. Die Put-Optionsscheine sind natürlich auch handelbar. Fällt der ATX zwischenzeitlich ab, steigt der Wert der Put-Scheine. Der Anleger kann vor dem Jänner 2011 die Scheine zu einem höheren Preis verkaufen. Die Absicherung gibt er dann aber auf.

Bei derlei Geschäften geht es aber ohnehin eher um Spekulation als um die Absicherung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.04.2011)