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Minarettstreit in Graz, Moscheenstreit in Traun

(c) AP (MICHAEL PROBST)
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In der steirischen Hauptstadt kursieren Gerüchte über ein 25-Meter-Minarett, Pläne dafür gibt es nicht. In Traun in Oberösterreich soll über einen Moscheebau abgestimmt werden, für den es noch keinen Plan gibt.

Wien/Linz. Jetzt hat auch Graz seinen Minarettstreit. Eine Moschee mit einem 25 Meter hohen Minarett geisterte dieser Tage durch manche Medien und sorgte zunächst für eine Welle der Empörung und Verwunderung. Auch im Büro von Bürgermeister Siegfried Nagl (VP), wo man die bisherige Berichterstattung nicht nachvollziehen kann. „Von einem 25 Meter hohen Minarett war nie die Rede“, sagt Büroleiter Peter Stepantschitz.

Was es gebe, seien verschiedene Modelle für ein geplantes Zentrum bosnischer Muslime, die zum Bestimmen der Bebauungsdichte notwendig seien. Darin sei ein Würfel mit 20 Meter Höhe eingezeichnet, der allerdings mit der endgültigen Gestaltung des Gebäudes oder mit dessen Höhe gar nichts zu tun habe. „Wenn keine baurechtlichen oder anderen Bestimmungen verletzt werden“, so Stepantschitz, „kann die Stadt Graz Minarette nicht verhindern. So wie auch Kirchtürme nicht.“ Man entwickle das Gebäude aber jedenfalls im Konsens mit dem bosnischen Verein.

 

Ein symbolisches Minarett...

In der Muslimischen Gemeinschaft Steiermark, dem bosnischen Verein, der laut eigenen Angaben rund 800 Familien als Mitglieder hat, ist man ebenfalls um Kalmierung bemüht. Ja, es solle ein Minarett geben, aber „die 25 Meter sind unrealistisch“, sagt Sprecher Emir Serdarevic. „Es soll nicht höher als die Gebäude in der Umgebung sein.“ Auch soll es ein symbolisches Minarett sein – also ohne Gebetsruf durch den Muezzin.

Viel mehr an Einzelheiten wisse man selber noch nicht. Denn noch ist nicht einmal die Gesamtkonzeption geklärt. Man habe natürlich bestimmte Vorstellungen, etwa eine Mehrzweckhalle für Sport und andere Veranstaltungen, ein Restaurant, Seminarräume und Büros, in weiterer Zukunft auch einen Kindergarten. Und natürlich auch eine Moschee, die rund 500Menschen zum Gebet beherbergen soll.

Architektonisch wolle man sich an modernen Vorbildern orientieren, die sich gut in der Umgebung einfügen. Ein Beispiel ist die Moschee im bayerischen Penzberg. „Die ist funktional und transparent mit viel Glas“, sagt Serdarevic. „So sieht man auch von draußen, was drinnen passiert.“

Auch in Oberösterreich sorgen widersprüchliche Informationen zum Bau eines muslimischen Gebetshauses für Verwirrung: „Wir verlangen eine Volksbefragung zum geplanten Neubau einer Moschee“, erklärte der freiheitliche Gemeinderat von Traun, Christian Engertsberger, diese Woche in einer Aussendung – und rief damit Unverständnis hervor. Denn dem Gemeinderat, der per FP-Dringlichkeitsantrag über die Volksbefragung abstimmen sollte, liegt derzeit gar kein Ansuchen in dieser Causa vor. „Es gibt kein Bauansuchen für eine Moschee“, bestätigt Vizebürgermeisterin Renate Prammer (SP) der „Presse“. Seit Jahren bemühe sich zwar die muslimische Community um ein neues Gebetshaus: Die beiden bisher genützten Räumlichkeiten sind zu eng geworden und teilweise schon baufällig – ein konkreter Neubauplan sei aktuell aber nicht am Tisch, erklärt Prammer.

Vorschläge, die von der Union der islamischen Kulturzentren oder der Stadt, in der der Migrantenanteil bei über 21Prozent liegt, gemacht wurden, scheiterten bis dato am fehlenden politischen Konsens. Weder ein Standort entlang einer viel befahrenen Straße nahe eines Industriegebiets, noch die Erweiterung an einem der bestehenden Standorte in zentraler Lage fanden eine Mehrheit im Gemeinderat. Befürchtet wird, dass eine neue Moschee für eine überregionale Nutzung konzipiert werden könnte, was die Union der islamischen Kulturzentren jedoch stets dementierte. Die Rede war von einem Einzugsgebiet, das den gesamten Bezirk Linz-Land umfassen solle, ein Bau, der auf 3000Quadratmetern Raum für 1000Gläubige und eine angeschlossene Koranschule biete.

 

...oder gar keines?

Laut dem Verein sollen indes nur bis zu maximal 400 Menschen in der Moschee, die in „unauffälliger Architektur“, also ohne Minarett geplant sei, Platz finden.

Für Engertsberger ist klar, dass bereits an einer Lösung gearbeitet wird: „Es gibt zwar noch keinen konkreten Termin, aber immerhin eine Anfrage, ein Grundstück am Ende der Bahnhofstraße umzuwidmen, um dort eine Moschee errichten zu können.“ Den möglichen neuen Standort hält der Freiheitliche aber für problematisch: „Das ist eine Gegend, die schon jetzt als Slum verschrien ist. Wenn die Moschee dort gebaut wird, bringt es das Fass zum Überlaufen“, sagt Engertsberger.

Die Volksbefragung solle die Stimmung der Bevölkerung sichtbar machen. Dass sie, wie die SPÖ erklärte, nicht nur ohne konkreten Anlass, sondern auch ohne rechtliche Substanz sei, weil der Islam eine anerkannte Religion ist, will Engertsberger nicht gelten lassen: „Uns geht es nicht darum, den Islam oder die Ausübung des islamischen Glaubens infrage zu stellen, sondern eine Belastung für Traun zu verhindern, die nicht mehr verkraftbar wäre.“

Auf einen Blick

Moscheen in Graz: Rund 15.000Menschen in Graz sind Muslime, das sind knapp sechs Prozent der Einwohner. Am stärksten vertreten sind die bosnischen Muslime, die gerade an einem neuen Zentrum planen, zweitstärkste Gruppe sind die Türken – auch sie haben eine Moschee in Planung, allerdings ohne Minarett.

Moschee in Traun: Mehr als 55.000Muslime leben in Oberösterreich, etwa sechs Prozent der Bevölkerung. Besonders stark ist die Konzentration in den Städten Traun und Wels. In Traun soll nun über ein Moscheebauprojekt der Union Islamischer Kulturzentren abgestimmt werden, für das es allerdings noch gar kein konkretes Bauansuchen gibt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.04.2011)

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