Oder: Wenn sich Tenno und oberösterreichischer Landeskaiser zu Wort melden.
Im Fernen Osten und im nahen Westen sind diese Woche zwei sonst eher zurückhaltende Führungspersönlichkeiten von ähnlichem Typ und Habitus ins Rampenlicht geraten. Der japanische Kaiser, der so gut wie nie in der Öffentlichkeit auftritt, hat Tsunami-Opfer in ihren Notunterkünften besucht. Dabei ist er gemeinsam mit seiner Frau in Socken auf dem Boden gekniet, um seine auf Matten sitzenden Landsleute aufzubauen und ihnen den Rücken zu stärken.
Der oberösterreichische Landeshauptmann, Josef Pühringer, ist nicht ins Matratzenlager, sondern ins Radio gegangen (wahrscheinlich mit Schuhen), was er fast so selten tut wie der Tenno, um seinem rekonvaleszenten Bundesparteiobmann zuerst den Rücken zu stärken, um danach doch ein ernstes Gespräch mit der Parteiführung über den Strasser-GAU einzufordern.
Der aktuelle japanische Kaiser Akihito ist übrigens nur sechs Jahre länger im Amt als Josef Pühringer (1989 vs. 1995), den gottgleichen Status ihrer Vorgänger nehmen beide bewusst nicht mehr in Anspruch und erfreuen sich dennoch (oder gerade deshalb) großer Beliebtheit bei ihren Untertanen. Allerdings muss der japanische Kaiser nicht mit den Grünen koalieren, um sich im Amt halten zu können. Dafür sind Tsunamis im oberösterreichischen Salzkammergut eher selten.
Während es in Linz immer beginnt, muss man hoffen, dass es in Fukushima recht bald endet. Parallelen zwischen dem Land des Reises und jenem der Kartoffel sollen hier nicht länger strapaziert werden: Sayonara und Pfiat Gott miteinander!
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2011)