Meister der Wehmut: Naked Lunch, 1991 in Klagenfurt als Grunge-Band gegründet, entwickelten einen ganz eigenen, düster-tröstlichen Rock-Stil.
„Let Me Walk upon the Water“. Ein gewagtes Theaterprojekt am Klagenfurter Stadttheater: Naked Lunch begleiten eine Dramatisierung von Kafkas verstörendem, albtraumhaftem Roman „Amerika“ – mit Songs, die ganz und gar nicht surreal sind, sondern sentimental und ohne jede Verfremdung das Gefühlsleben eines Amerika-Auswanderers zeichnen. Es ist gelungen, gerade weil Texter Oliver Welter das Thema so bewusst naiv angegangen ist, „Americana“-Klischees nicht unterdrückt, sondern verstärkt, aber nicht karikiert. Gleich im ersten, andächtig verhallten Song ist vom „green grass“ und vom „high cotton“ die Rede, von der „other side“ und vom „port of Blue Bayou“. „Today I am a stranger“, singt Welter, „but tomorrow I'll be one of you.“ Dass sogar dieses Pathos durchgeht, liegt an der Herzöffnerkunst dieser Band.
Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Boris Jordan (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 13 Uhr und 14.30 Uhr auf FM4.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2011)