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"Menschen sind für die Kirche nicht verloren"

Menschen sind fuer Kirche
Dariusz Schutzki(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Dariusz Schutzki wird ab 1.September Bischofsvikar für Wien-Stadt. Ein "Presse"-Interview.

Ist die Mehrheit der Wiener für die katholische Kirche nicht verloren?

Dariusz Schutzki: Nein, absolut nicht. Wir gehen durch eine Zeit, die nicht gerade leicht ist. Aber die Menschen sind für uns nicht verloren. Wir sollten gerade jetzt den Menschen, die überall Orte der Begegnung verlieren, eine Heimat anbieten.

Ist Wien nicht längst Missionsgebiet?

Mission ist ein sehr stark negativ angehauchtes Wort. Es ist an der Zeit, zu den Menschen hinauszugehen. Das war immer urchristliches Anliegen: Geht hinaus, verkündet das, was euch wichtig ist, das Evangelium. Diesen Aufbruch brauchen wir.

Hat sich die Kirche zu sehr von den Menschen entfernt?

Ich schreibe jeden an, der ausgetreten ist. Leider tun das auch sehr viele Junge, die rufe ich persönlich an. Unsere Kirchen müssen offen sein für die Menschen. Ein Ort für die Einkehr ist sehr wichtig. Dass wir uns sehr anstrengen müssen, das ist klar.

Ist für junge Menschen die Sprache der Kirche, speziell in der Liturgie, nicht weit weg von der Lebensrealität?

Auch die Liturgie kann so gestaltet werden, dass sie für junge Menschen attraktiv ist. Die Pfarren müssen den jungen Menschen Orte der persönlichen Begegnung und der tatkräftigen Hilfe ermöglichen, den Pfarrhof für sie öffnen. Man muss die Jugendlichen dort abholen, wo sie sind.

Da fehlen die jungen Kapläne.

Eine Herausforderung an alle. Wir beten um geistliche Berufe.

Reicht das Gebet?

Nein.

Die Frage nach dem Zölibat ist unvermeidlich. Würde eine Aufgabe die Probleme lösen?

Das weiß ich nicht. Der Zölibat wurde nicht von heute auf morgen eingeführt, er wird wahrscheinlich auch von heute auf morgen nicht abgeschafft. Es ist gut, dass darüber gesprochen wird, aber die Lösungen haben wir nicht in der Schublade.

Es wird in Ihrer Amtszeit wegen des Priestermangels wohl zu weiteren Pfarrzusammenlegungen kommen. Sind nicht Konflikte programmiert?

Gemeinden haben ein Recht zu überleben, auch wenn sie keine eigene Pfarrkirche haben. Da bedarf es sehr großen Fingerspitzengefühls und sehr viel an Kommunikation.

War in Neulerchenfeld, wo die Kirche den Serbisch-Orthodoxen geschenkt wird, zu wenig Kommunikation?

Aus dieser Erfahrung wird sicher gelernt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2011)