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Türkisch-Matura: An Wiener AHS seit Jahren möglich

TuerkischMatura Wiener seit Jahren
(c) Clemens Fabry
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Acht Prozent der Schüler am Abendgymnasium Henriettenplatz nutzen das Angebot. Weder der Direktor noch der verantwortliche Schulinspektor können die politische Aufregung verstehen.

Was derzeit für politische Diskussionen sorgt, ist am Abendgymnasium Henriettenplatz in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus seit 2005 ganz normal: Hier können jene Schüler, die sich im zweiten Bildungsweg auf die AHS-Matura vorbereiten, zwischen Französisch, Latein und Türkisch als zweite Fremdsprache wählen.

Laut Schulleiter Klaus Brandl nutzen im Schnitt acht Prozent der Abendschüler die Möglichkeit, in dieser Sprache zu maturieren. Dabei entscheiden sich längst nicht alle Schüler mit türkischem Migrationshintergrund für den Schulversuch Türkisch-Matura, so Brandl.

Nachfrage nach Türkisch

Manche würden mit Blick aufs Studium Latein wählen. Andere, schildert der zuständige Schulinspektor Karl Blüml, würden von den Eltern dazu gedrängt, zusätzlich zu Englisch eine weitere westliche, prestigeträchtigere Sprache zu erlernen. Dabei gebe es gerade von Seiten der Wirtschaft immer mehr Nachfrage nach Menschen, die Sprachen aus Ländern gut beherrschen, mit denen Österreich rege Handelsbeziehungen unterhält. "Das ist ein Gewinn für Firmen", betont Blüml.

Die Idee hinter dem Schulversuch sei gewesen, dass für die vielen Schüler mit türkischem Migrationshintergrund am Abendgymnasium das Lernen von drei Fremdsprachen (Deutsch, Englisch und eine zweite lebende Fremdsprache) eine weitere Hürde am Weg zur Matura sei. Gleichzeitig hätten sie in ihren oft aus dem ländlichen Raum stammenden Familien ihre Muttersprache Türkisch nie als Standardsprache und in schriftlicher Form gelernt, so Blüml.

Geschenkt sei eine Türkisch-Matura für diese Schüler aber nicht, "ganz im Gegenteil": Immerhin hätten die Schüler beachtliche Stoffmengen zu lernen. Und wenn ein deutschsprachiger Schüler in Deutsch maturiere, sei das schließlich auch nicht geschenkt.

Aufregung nicht nachvollziehbar

Die aktuelle Aufregung um die Pläne des Unterrichtsministeriums, Türkisch auch über den Schulversuch hinaus als zweite lebende Fremdsprache zu etablieren, ist weder für Brandl noch für Blüml nachvollziehbar.

Im Gegenteil, beide würden eine Ausweitung befürworten. Wenn die Schüler ihre sprachliche Identität besser kennen, würden sie sich leichter integrieren, so der Schulleiter des Abendgymnasiums. Und gute Kenntnisse der Muttersprache würden das Lernen weiterer Sprachen erleichtern. "Ich denke, dass man Türkisch genauso als zweite Fremdsprache behandeln kann wie jede andere europäische Sprache."

Allerdings, stimmt Blüml dem Unterrichtsministerium zu, müsse vor einer Ausweitung erst eine entsprechende Lehrerausbildung für Türkisch (Lehramt) geschaffen werden. Am Abendgymnasium Henriettenplatz arbeiten derzeit zwei Turkologen mit Lehramtsausbildung aus dem Ausland.

(APA)