Opernstars als wahre Quotenhelden

Wenn fast eine halbe Million Menschen stundenlang ein ORF-Programm eingeschaltet lassen, wenn die Netrebko Oper singt, bedeutet das viel.

Kommentar

Das waren die wahren „Helden von morgen“: Zwei Diven im Opern-Clinch, das lockt auch Fernsehzuschauer zu Hunderttausenden vor den Bildschirm. Ein Schnitt von 443.000 Sehern an einem Dienstagabend lässt sich sehen. Im Verein mit Arte hat diese Übertragung über 800.000 Menschen mehr als drei Stunden lang gefesselt. Quotenträchtige Produktionen, zum Beispiel „Helden von morgen“ erreichen auf besseren Sendeplätzen solche Werte selten, obwohl sie bedeutend kürzer sind, also weniger Sitzfleisch verlangen.

Die Lehre, die wir daraus ziehen? Mag sein, dass eine Opernübertragung weniger Zuschauer erreicht, wenn nicht Anna Netrebko und Elīna Garanča einander gegenüberstehen. Doch erinnert man sich daran, dass ein viel weniger leicht „konsumierbares“, noch längeres Stück wie der „Rosenkavalier“ aus Salzburg vor einigen Jahren auch erstaunlich hohe Langzeitseherwerte erreicht hat.

Das bedeutet nichts anderes, als dass der öffentlich-rechtliche Sender guten Gewissens viel mehr als bisher seiner Aufgabe nachkommen sollte, die Spitzenereignisse des reichen Kulturlebens dieses Landes zu dokumentieren und damit den Steuerzahlern – die dieses Kulturleben ebenso finanzieren wie den ORF – zugänglich zu machen.

Sich der Kultur zu widmen bedeutet für einen öffentlich-rechtlichen Sender nämlich mehr und anderes, als man auf dem Küniglberg derzeit offenbar glaubt. Es geht nicht darum, boulevardesk-journalistisch in der Kulturpolitik mitmischen zu wollen, indem man Künstler und Kulturmanager mit aus dem Zusammenhang gerissenen 20-Sekunden-Interviewbeiträgen gegeneinander ausspielt. Viel eher hätte der ORF eine Dokumentations- und Archivierungspflicht in Sachen Kultur. Nicht nur, wenn es um Netrebko und Garanča geht.

E-Mails an:wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.04.2011)

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