„Fondsgebundene Lebensversicherung derzeit besser“

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Rudolf Mittendorfer, Chef der Wiener Versicherungsmakler, verteidigt grundsätzlich die klassischen Lebensversicherungen. Er gibt aber auch zu, dass sie in Zeiten hoher Inflation nicht empfehlenswert sind.

Die Presse: Mit den Nettorenditen der Lebensversicherungen kann die Inflation nicht abgedeckt werden, kritisieren Finanzberater. Können Sie die Kritik nachvollziehen?

Rudolf Mittendorfer: Ich würde nicht nur auf eine klassische Lebensversicherung setzen, weil hier momentan die Erträge nachhinken. Entscheidend ist aber, was sich der Kunde erwartet. Manche bevorzugen eine hohe Sicherheit und nehmen dafür eine bescheidenere Verzinsung in Kauf.

Noch einmal: Die Inflation steigt an. Mit den Nettorenditen aus den Lebensversicherungen wird man die Teuerung kaum abdecken können.

Wenn man eine hohe Inflation erwartet, ist eine klassische Lebensversicherung nicht unbedingt empfehlenswert. Diese Produkte haben einen hohen Anleihenanteil, der in Zeiten von hoher Inflation nicht viel bringt.

Die klassische Lebensversicherung hat demnach ausgedient?

Nein, als Sicherheitsanker sollte man der „Klassischen“ weiterhin ihren Platz im Depot lassen. Viele Anleger haben auch noch Schrammen von der Finanzkrise im Jahr 2008. Viele Fonds oder Aktien liegen noch immer im Minus.

Viele Kunden kündigen ihre Lebensversicherungen. Die sind wohl mit den Erträgen unzufrieden.

Ich glaube eher, dass viele Kunden einfach nur falsch beraten werden. Einige aggressive Strukturvertriebe und auch Banken kümmern sich hierzulande wenig um die Qualität der bestehenden Produkte. Sie überreden die Kunden, bestehende Polizzen zu kündigen, um damit Platz für die hauseigenen Produkte zu machen. Als Konsument muss man aber eines klar bedenken: Sie werden beim neuen Produkt abermals voll zur Kasse gebeten und müssen alle Gebühren und Vertriebskosten bezahlen. Das neue Produkt muss dann schon ein besonders tolles sein, damit sich das zum Schluss tatsächlich rechnet.

Statt eine Lebensversicherung zu kündigen, kann man auch einfach eine Prämienfreistellung beantragen. Ist das besser?

Ja. Man zahlt einfach keine Prämien mehr ein. Das Kapital des Kunden bleibt in der Lebensversicherung liegen und wird jährlich mit dem Garantiezins und der Gewinnbeteiligung verzinst.

Was ist der Vorteil von fondsgebundenen Lebensversicherungen?

Man kann ohne Kosten zwischen Anlageklassen variieren. Der Anleger kann zu 100 Prozent in Aktien gehen und von steigenden Märkten profitieren. Er kann ohne Probleme wieder in Anleihenfonds wechseln. Da gibt es eine Reihe sehr brauchbarer Produkte. Skandia, Zürich, Helvetia oder Nürnberger haben sehr flexible Lösungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.04.2011)

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