Beide Institute weisen Spekulationen über einen Geldbedarf zurück. Raiffeisen will die Staatshilfe vorerst behalten. Das Geld ist notwendig, um die Kernkapitalquote von neun Prozent zu erreichen.
Wien/Höll/Bloomberg. Analysten zufolge brauchen Erste Bank und Raiffeisen Bank International zusammen vier Mrd. Euro. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Expertise der Bank of America und Merrill Lynch sei das Geld notwendig, um die international übliche Kernkapitalquote von neun Prozent zu erreichen. Diese Quote ist eine wichtige Messlatte für die Risikotragfähigkeit von Banken. Sie gibt das Verhältnis vom Kernkapital (das von den Eigentümern eingezahlte Kapital plus einbehaltene Gewinne– sozusagen die eiserne Reserve für alle Fälle) zur Summe der Kredite an. Raiffeisen International würde den Berechnungen zufolge 2,7 Mrd. Euro brauchen, bei der Erste Bank sind es 1,26 Mrd. Euro.
Auch die Experten von JP Morgan und der Investmentbank Keef Bruyette & Woods sehen die Notwendigkeit für eine Kapitalerhöhung, wenn beide Banken die im Zuge der Finanzkrise erhaltene Staatshilfe zurückzahlen. Raiffeisen Bank International und Erste Bank bestreiten dies. „Wir sind derzeit ausreichend kapitalisiert“, sagte RBI-Sprecher Michael Palzer. Das Institut wird heute sein Ergebnis für 2010 veröffentlichen. Bankchef Herbert Stepic hat in der Vergangenheit mehrmals betont, dass man die Staatshilfe vorerst behalten werde.
Erste-Bank-Chef Andreas Treichl geht hier einen anderen Weg. Er plant wegen der hohen Zinszahlungen, einen Teil der Schulden beim Bund noch heuer zu tilgen. Dem Vernehmen nach könnte dieser Schritt im Sommer erfolgen. Ohne das staatliche Partizipationskapital würde die Kernkapitalquote der Erste Bank von 9,2 Prozent auf 7,7 Prozent fallen. Doch dieser Wert reiche aus, versichert Erste-Bank-Sprecher Michael Mauritz. „Wir konzentrieren uns auf das klassische Spar- und Kreditgeschäft.“ Zudem würde das Institut schon jetzt alle Basel-III-Regeln erfüllen. Im Vorjahr konnte der Gewinn auf eine Mrd. Euro erhöht werden. Damit verfüge man über genügend Reserven. „Eine Kapitalerhöhung zur Rückzahlung der Staatshilfe ist daher nicht notwendig“, so Mauritz.
Konrad kündigt Kapitalerhöhung an
Nicht ganz so eindeutig ist die Situation bei der Raiffeisen Bank International (RBI). Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad hat im Februar sehr wohl eine Kapitalerhöhung in Aussicht gestellt. „Vor dem Hintergrund unserer Wachstumspläne und von Basel III wird eine Kapitalerhöhung sicher kommen“, sagte er damals. Auf Spekulationen über einen Zeitpunkt wollte er sich nicht einlassen. Konrad ist Aufsichtsratschef der Raiffeisen Zentralbank, die 78,5 Prozent an der RBI hält. Die Mehrheit von 14 von der Finanzagentur „Bloomberg“ befragten Analysten geht davon aus, dass sich die Giebelkreuzer noch heuer Geld von der Börse holen werden. Viele europäische Großbanken tun das bereits. Die italienische Banca Intesa will bis Juli eine fünf Mrd. Euro schwere Kapitalerhöhung fixiert haben.
Die deutsche Commerzbank braucht elf Mrd. Euro, um die Schulden beim Staat loszuwerden. Die Aktie des Instituts verbilligte sich gestern um vier Prozent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.04.2011)