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AMS-Skandal: Staatsanwalt ermittelt

(c) Clemens Fabry
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Nach dem Bordellbesuch des Chefs des steirischen AMS mit einem Auftragnehmer prüft die Staatsanwaltschaft dessen Auftragsvergabe. Noch ist unklar, ob sich tatsächlich ein Korruptionsskandal zusammenbraut.

Wien. AMS-Vorstand Johannes Kopf ist erbost: „Ich kann so etwas im Unternehmen nicht brauchen“, sagt er zu den Gerüchten über mögliche Korruptionsfälle beim AMS zur „Presse“. Stein des Anstoßes war ein Bordellbesuch des steirischen AMS-Chefs, Karl Heinz Snobe, mit dem Leiter eines Kursanbieters, der vom AMS wiederholt Aufträge erhalten hat. Ob Snobe im Gegenzug für die pikante Abendgestaltung dem Institut Aufträge zugeschoben hat, ist nicht nur Mittelpunkt der Ermittlungen der internen Revision des AMS.

Auch die Korruptionsstaatsanwaltschaft hat Untersuchungen gegen Snobe in Auftrag gegeben, bestätigt eine Sprecherin. Grund dafür sei eine anonyme Anzeige, die „im Wesentlichen das Naheverhältnis des AMS-Mitarbeiters mit dem Institutsleiter“ beinhalte. Snobe – es gilt die Unschuldsvermutung – bleibt bis auf Weiteres in Urlaub. Ob er danach seinen Job behalten wird, hängt stark vom Ausgang der Ermittlungen ab. Nach Ostern soll der Bericht des AMS veröffentlicht werden. „Natürlich ist die Sache belastend“, sagt AMS-Vorstand Herbert Buchinger. Snobes Vertrag laufe aber ohnedies Mitte 2012 aus.

 

AMS will Trainervertreter klagen

Noch ist unklar, ob sich tatsächlich ein Korruptionsskandal beim AMS zusammenbraut, oder ob missmutige Konkurrenten und Trainer, die sich übergangen fühlen, für Zwist in der Branche sorgen wollen. „Kleine Fehler passieren immer“, räumt Buchinger ein. Korruption „in größerem Ausmaß“ schließe er aus. Auch Kopf ist überzeugt, dass die Vorwürfe nicht halten werden.

Bernhard Kleemann, Interessenvertreter der Trainervereinigung Vöbat, sieht das anders. Die fragwürdigen Praktiken beim AMS seien in der gesamten Branche bekannt. Doch der „letzte Beweis“ könne selten erbracht werden. So wie im Fall von Franz-Otto Söchting. Dem früheren Leiter der Wiener AMS-Vergabestelle wurde nachgesagt, jene Trainer zu bevorzugen, die mit seiner Immobilienfirma Mietverträge abgeschlossen haben. Da der Beamte auch in den Betrugsfall rund um das Bildungsinstitut Venetia involviert war, prüfte der Rechnungshof den Fall zwei Mal. Ohne Ergebnis, heißt es beim AMS. Veröffentlicht sind die Berichte noch nicht. Söchting ist noch beim AMS tätig, allerdings nicht in der Vergabestelle.

Die „schiefe Optik“ bleibe bestehen, sagt Kleemann. Genau das kreidet das AMS dem Trainervertreter schwer an. Man werde solche Anschuldigungen nicht länger einfach auf sich sitzen lassen. „Unser Anwalt bereitet eine Klage wegen Kreditschädigung gegen Kleemann vor“, sagt Buchinger. Bis Mittwoch habe dieser Zeit, endlich Zeugen zu nennen. Daran denkt der Angesprochene gegenüber der „Presse“ nicht. Einige Zeugen hätten bereits „Rückzieher“ gemacht. Aus Sorge, beim AMS künftig gar nicht zum Zug zu kommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.04.2011)