Das Dialekt-Groove-Punk-Duo präsentiert sein neues Album „Flux“ auf einer Tournee. Am 15.4. spielen Attwenger im Flex und am 9.4. ebenfalls in Wien, im WUK.
„Most“, „Pflug“, „Luft“, „Song“, „Sun“, „Dog“: Alle sechs Alben, die das oberösterreichische Duo Attwenger seit 1991 bisher veröffentlicht hat, tragen einsilbige Namen, vier davon sind sowohl auf Deutsch respektive Oberösterreichisch, als auch auf Englisch lesbar: Da wird z.B. der Tag zum Hund und das Lied zum Sagen.
Das neue Album heißt „Flux“: Das ist der Fluss, der „flow“, wie man im Hip-Hop sagt, und das lässt sich als „flugs“ lesen. Passt beides zur lakonischen Kunst von Attwenger. „Ohne attwenger waas enger, owa mia bleim e nu lenga“, versichern sie am Ende von „one“, „Mia bleibm jo nu a zeidl do, we don't wanna go“ am Schluss von „trip“. Beständigkeit als Primärtugend: So schleunig ihre Lieder oft sind, Markus Binder und Hans-Peter Falkner stellt man sich gern vor, wie sie unter Verachtung der Uhr an einer Schank lehnen und das lokale Geschehen stoisch kommentieren, unter lustvollem Gebrauch von Richtungsadverbien. „Geh ned oiwe hintn umi“, singt Binder – oder ist es doch Falkner? –, und das klingt so down-home, dass man es am Mississippi gewiss genauso versteht, wie dort, wo man dauni zum Inn oder zur Donau geht.
Blue Suede Shoes? Petersilie!
Besonders offensiv mit dem Englischen spielen sie in der Eröffungsnummer: „Shakin' my brain“ ist ein gestandener Rock' n' Roll, der auch tatsächlich in das Motiv von „Blue Suede Shoes“ mündet: „Vabrenn mei heisl, schtü mein wong, dring mein schnops, owa lass da song...“ Ja, was denn? Worauf soll man den Attwengern nicht steigen? Weder auf die Goiserer noch auf die Adidas. Nein: „I mog an bedasü“ (= Petersilie), so geht's weiter, und auch für solche abstrusen Brüche mag man Attwenger, wie für die geradezu an Zen erinnernden Weisheiten, in die ihre Gstanzln oft münden: „Ohne wiesn dad die kua si schwa midn grosn“, ist schon ganz gut, aber „Ohne bam is da woid a laare gstettn“ ist wirklich tief. Textlich etwas platt ist nur „mief“, wie schon „kaklakariada“ eine Attacke auf die ach so spießigen (Lands-)Leute.
Musikalisch haben sie seit der Ausnahmeplatte „Song“ (für die sie einen geradezu meditativen Groove erfanden) keine jähen Reformen durchgemacht, und das ist gut so. Die Ziehharmonika, dieses bockigste und zickigste aller Instrumente, klingt auf manchen Tracks (z.B. „Duamasche“) durch diverse Manipulationen richtig funky, „Swing“ swingt, „Fressn“ erinnert an den alten Blues „You Gotta Move“. Wobei Attwenger natürlich weniger zur Bewegung aufrufen, als ihren Eigensinn deklarieren: „Du kaust mi auschrein und di aum kopf schtön, und es wird nix bringa.“ Passive Resistenz rules, okay.
Am 8.4 und am 15.4. spielen Attwenger im Flex, am 9.4. ebenfalls in Wien, im WUK.
Weitere Termine: www.attwenger.at
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.04.2011)